Die Nachricht vom Selbstmord des Sultans Mkwawa im Juli 1898 löst unter den Europäern in Deutsch-Ostafrika Begeisterung aus. "Endlich! Endlich!", schreibt die Frau eines Offiziers der "Kaiserlichen Schutztruppe", Magdalene von Prince, am 21. Juli 1898 in ihr Tagebuch, "aus vollem dankbaren Herzen möchte ich es hinausjubeln in alle Welt, die Freudenbotschaft: Mkwawa ist tot!" Und ihr Mann, Hauptmann Tom von Prince, äußert sich dito hoch zufrieden: "Mit dem Tode des Mkwawa darf wohl jede Gefahr eines Wiederaufflackerns des Aufstandes für beendet betrachtet werden."

Kein Volk in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, hat sich so lange und so erbittert gegen die Kolonialmacht zur Wehr gesetzt wie die Hehe unter ihrem Sultan Mkwawa. Ihre Tapferkeit und ihr Mut nötigten sogar deutschen Offizieren Respekt und Anerkennung ab. Das hinderte sie allerdings nicht daran, einen regelrechten Vernichtungskrieg gegen die Hehe zu führen, um diese zur völligen Unterwerfung zu zwingen.

Wie viele Menschen den unzähligen "Strafexpeditionen" und Vergeltungsmaßnahmen in den neunziger Jahren zum Opfer fielen, ist nicht genau bekannt. Nach Angaben des Missionars Alfons Adams betrug die Zahl der gefallenen, verhungerten und gehängten Hehe wohl einige Tausend. Offiziell schätzte man im September 1898, "daß lange Zeit vergehen wird, bis die Bevölkerungsziffer von etwa 1893 wieder erreicht sein wird".

Mkwawa war nach dem Tod seines Vaters, Sultan Munyigumbas, im Jahr 1880 zum unumschränkten Herrscher der Hehe, eines im Südwesten des Landes lebenden Bantuvolks, gekrönt worden. Munyigumba hatte sein Reich durch zahlreiche blutige Eroberungskriege gegen die Nachbarvölker der Gogo, Ngoni, Sangu und Sagara erweitert und deren Herrscher tributpflichtig gemacht. Mkwawa setzte die expansive Politik seines Vaters fort.

Fast zur gleichen Zeit begann die Ausbreitung der Deutschen in Ostafrika.

Zwischen 1884 und 1888 stellten der berüchtigte Kolonialkonquistador Carl Peters und weitere Gesinnungsgenossen zahlreiche Landschaften "unter deutschen Schutz". Doch eine starke Widerstandsbewegung innerhalb der Küstenbevölkerung zwang die weißen Herren im September 1888 fast zur völligen Aufgabe ihrer Kolonie. Erst eine im Mai 1889 aufgestellte Schutztruppe unter der Führung des Offiziers Hermann von Wissmann konnte die Rebellion niederschlagen.

Nachdem die deutsche Herrschaft an der Küste gefestigt worden war, begann Wissmann mit der Sicherung der Karawanenstraße, die vom Landesinneren zur Küste führte. Dabei kam es im Sommer 1890 zu den ersten Kämpfen zwischen Deutschen und Hehe. Auf die Nachricht, daß Hehe "Räubereien" gegen eine Karawane verübt hätten, unternahm die Schutztruppe eine erste "Strafexpedition" gegen Hehe-Dörfer. Der Abteilung schlossen sich 800 mit den Hehe verfeindete Gogo an, "so daß", wie der führende Offizier zufrieden in seinem Bericht erwähnt, "die Bestrafung jener Straßenräuber sich zu einer sehr nachdrücklichen gestaltete". Zahlreiche Dörfer wurden abgebrannt, Elfenbein geraubt und 1600 Stück Vieh gestohlen. Die Hehe baten daraufhin um Frieden. Da die Provinz Uhehe für die Kolonialherren "vorläufig" noch "zu wenig Interesse" besaß, wurde ihnen dieser gewährt.