Männer können ihm einfach nicht widerstehen, diesem schlanken, hochgewachsenen Ding. Schwer zugänglich, impulsiv und im entscheidenden Moment bedingungslos hingabebereit, hält es sein verführerisch gefährliches Inneres verborgen unter einer stählern schimmernden Haut. Welcher richtige Mann träumt nicht davon, diese force fatale einmal in seinem Leben zu erobern?

Nun hat Exgeneral Alexander Lebed seine Hand nach der Atomrakete ausgestreckt. In einem Brief an Rußlands Ministerpräsidenten Kirijenko forderte der Gouverneur von Krasnojarsk, die Nuklearstreitkräfte in seinem Gebiet unter seinen Befehl zu stellen. Dafür will der sibirische Landesvater die Soldaten der Raketeneinheit an seine breiten Schultern drücken, ihnen regelmäßig den Sold auszahlen, für tägliches Brot und abwechslungsreiche Spiele hinterm Kasernenzaun sorgen. Die Regierung lehnte Lebeds fürsorglichen Vorschlag ab. Herr der russischen Atomstreitmacht bleibt weiterhin der Präsident, der Träger des heikelsten Köfferchens von Rußland.

Lebed will seinen Vorschlag nun als Scherz verstanden wissen, um die elende Lage der Soldaten anzuprangern. Mit Blick auf die Präsidentenwahl 2000 mag das schlau wirken. Doch die Idee könnte dumme Folgen haben. Wer als Spitzenkandidat gleich an die Bombe denkt, erweckt beim Wähler kein Vertrauen. Mit Atombomben ist es wie mit Wasserstoffblondinen. Wer ihnen allzu plump den Hof macht, blitzt ab.