Das Gutachten der Kommission unter dem Vorsitz von Professor Simon wird von der Autorin als "großer Wurf" gefeiert. Die Universität wird so dargestellt, als würde sie nur "traditionelles Terrain verteidigen" und "alte Rechnungen" aufmachen.

Diese Bewertung liegt voll daneben: Das Gutachten bekommt von vielen Experten die Note ungenügend. Bemängelt wird unter anderem, daß keinerlei Kriterien entwickelt wurden, mit denen die Leistungsfähigkeit einzelner Fachbereiche bewertet werden kann, daß die Entbürokratisierung der Universität mit der Schaffung neuer bürokratischer Gremien erzielt werden soll, daß sich nur etwas an der Saarbrücker Universität, nicht aber an den mitevaluierten Pfälzer Unis ändern soll.

Die Universität selbst hat eine Reihe von Reformprojekten auf den Weg gebracht (zum Beispiel den integrierten Studiengang Sozialwissenschaften), die durch das Gutachten wieder platt gemacht werden. Ohne daß an den schon jetzt überfüllten pfälzischen Nachbaruniversitäten auch nur eine Lehrstelle mehr geschaffen wird, werden zum Beispiel die gesamten Gesellschaftswissenschaften ausradiert. Damit wird das - pikanterweise von der SPD geführte - Saarland das erste Bundesland ohne einen gesellschaftswissenschaftlichen Studiengang sein!

Prof. Reinhard Stockmann Universität des Saarlandes Saarbrücken

Wenn die beiden Kultusminister des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz schon "zusammenarbeiten", warum denkt man eine Kooperation nicht zu Ende? Warum läßt man die Slawistik, die Italianistik, die Archäologie und viele andere Fächer hier langsam sterben, die wertvollen Bibliotheken schließen, warum vereinigt man die entsprechenden Institute einschließlich des Lehrkörpers und der Bibliotheken nicht mit Instituten der Universitäten des Nachbarlandes oder auch der französischen Universitäten der Nachbarstädte, um dadurch sinnvolle Forschungs- und Ausbildungsstätten zu schaffen? Amerikas Universitäten immer als Vorbild zu zitieren, aber gleichzeitig viele ihrer grundlegenden Bedingungen und Voraussetzungen abzulehnen ist schizophren.

Herbert Schneider, Mainz

Es ist wahr, daß in den Universitätsgremien die Bereitschaft zu Innovation und neuen Modellen gering ist. Dies liegt aber vor allem daran, daß die Professorenschaft in allen Gremien die Mehrheit hat und je nach Gremium diese Professoren aus unterschiedlichen Fachbereichen oder Fakultäten kommen. Die Mehrheit der Professoren existiert also nur dann, wenn diese sich über die Fächerbarrieren hinweg einig sind. Zu diesem Zweck tagen dann inoffizielle sogenannte Professorien oder das Consilium Decanale, die die Entscheidungen der Gremienmehrheit schon vorher ausklüngeln. Daß durch diese Vorgehensweise nichts Neues zustande kommt, dürfte klar sein. Die professorale Mehrheit in allen Gremien ist nur dann zu Innovationen bereit, wenn alle Professoren einen Vorteil davon haben oder zumindest niemand dadurch verliert.