Während unsere Politiker das Sozialversicherungssystem gnadenlos in Frage stellen, tauchen wir sprachlich immer tiefer in das Reich der allumfassenden Fürsorge ein. Es gibt nichts mehr, wofür nicht gesorgt würde: in der vorigen ZEIT für rote Zahlen (Seite 15) und für böses Blut (21). Die meisten Journalisten behaupten fröhlich, daß Dürre für schlechte Ernten sorge und ein Erdbeben für 20 000 Obdachlose vorbei die Zeit, als es noch das Rote Kreuz war, das den Obdachlosen seine Fürsorge angedeihen ließ. Das Modewort hat ein Dutzend anderer Wörter niedergewalzt (böses Blut machen, Verwirrung stiften, zu Mißernten führen, sie hervorrufen, bewirken, zur Folge haben) und dabei den uralten und noch gut hörbaren Charakter der Fürsorge pervertiert. Wofür sorgten die Herren? "Daß es in der Kasse weniger klingelt" (Seite 17). Wer sorgt für mächtige Besucherströme - Helfer, Kellner, Sanitäter? Nein: das turbulente Börsengeschehen (29). Eine Sprachmode sorgt wieder mal für Unsinn.