Nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit im chaotischen Verkehr von Harare: Die Autotür wird aufgerissen, eine magere Hand grapscht nach der Tasche auf dem Beifahrersitz - und schon sind die Kameras weg. Willkommen in Simbabwe.

Das Polizeimitleid hilft über den ersten Schock - weiter nicht. Ein weißer Bekannter rät uns, den witch doctor aufzusuchen. Dies sei in Simbabwe das übliche Verfahren. Seine Freundin Winnie, der einheimischen Sprache Schona mächtig, geht uns zur Hand. Weit außerhalb liegt der Treffpunkt mit dem Zauberer, an einem kleinen Fluß voll riesenhafter Felsen, jenseits der wilden Siedlungen. "Rural area, for sure", nennt unser fassungsloser Taxifahrer die Gegend, nichts für Besuche bei Nacht, erst letzte Woche habe ein Missionar hier sein Leben ausgehaucht - "Kehle durchschnitten".

Wir suchen den Vermittler Bababii auf, der uns zu einer geheimen Stelle bringt. Zwischen den Felsen kommt die brüchige Stimme des Zauberers hervor - wir werden ihn nie zu Gesicht bekommen. Segurru will er von uns genannt werden. Er weiß bereits, daß wir Gestohlenes wiederhaben wollen. Nach kurzer Verhandlung einigen wir uns auf 200 Mark für die Medizin, die auf wundersame Weise in der Lage sein soll, unsere Sachen zurückzubringen. Bababii reißt eine leere Seite aus einem Schulheft, die sollen wir nachts unter unser Kopfkissen legen. Die Zaubermedizin werden wir am nächsten Morgen erhalten, wenn wir zu Segurru zurückkehren, mit dem Blatt, dem geforderten Schnupftabak und mit Geld.

Die Morgenzeitung berichtet über das Verschwinden von 117 Maschinengewehren und vier Raketenwerfern aus einem Kapstadter Armeedepot. Getröstet, daß wir nicht die einzigen Diebesopfer sind, fahren wir mit einem Taxi los.

An den Felsen umhüllt uns Bababii mit Tüchern, zu unseren Füßen steht ein Schälchen mit Medizin (Tabak und Kräuter). Wir legen das Geld daneben und die leere Papierseite. "Morgen ruft die Polizei an, daß die Sachen gefunden sind", übersetzt Winnie. Zuvor müssen wir allerdings die Medizin im Auto verbrennen und währenddessen unser Begehr laut und deutlich formulieren, verlangt der unsichtbare Segurru. Bababii gibt uns unser Blatt, wir mischen Schnupftabak mit Sand und verreiben die Mixtur auf dem Papier. Eine braune Schrift erscheint: "You are lucky, you have your cameras tomorrow." Wir nehmen unsere Medizin und kehren heim.

Unser Taxifahrer wird ob der sicheren Einnahmequelle von Mal zu Mal fröhlicher. Zauberer Segurru sagt, die Diebe seien zwar gefaßt, hätten aber mit zwei Polizisten einen Handel abgeschlossen. Nun müsse man die Ordnungshüter krank machen. Morgen würden wir entsprechende Medizin und die Namen der beiden erhalten. Wieder sollen wir ein leeres Blatt und Schnupftabak mitbringen - und Geld. Kein Geld, bevor nicht die Sachen wieder da sind, sagen wir. Segurru ist bereit, in Vorleistung zu gehen, möchte dann aber mit dem Geld - spirits for spirits - eine Flasche Gin als Prämie.

Heute ist Segurru nicht da, wir erleben die profane Variante der Zauberei.