Etwa 3,5 Prozent ihrer Leistungsausgaben wenden die Krankenkassen für Zahnersatz auf, auch wenn der publizistische Wirbel höhere Prozentsätze vermuten läßt. Der Streit geht darum, ob neben Zahnersatz mit Kunststoffverblendung auch solcher mit Keramikverblendung zum Kassenhonorar erbracht werden soll. Kassenleistung ist die Vollkrone oder Brücke aus Metall, die im sichtbaren Bereich mit Kunststoff verblendet ist. Soweit stimmen Gesundheitsminister, Krankenkassen und Zahnärzte überein.

Wird das Metall jedoch mit Keramik verblendet, gehen die Meinungen nun weit auseinander. Der Patient soll nur die Differenz zu den höheren Material- und Laborkosten der Keramikverblendung bezahlen, das Zahnarzthonorar bleibt das gleiche - meinen Seehofer und die Krankenkassen. Begründung: "Die Präparation ist unabhängig von der Art der Verblendung."

Für die Zahnärzte ist das schlichter Unfug: Die "Präparation" ist bei Keramikverblendungen wesentlich aufwendiger als bei Kunststoff!

Keramikverblendungen lassen sich zudem nicht reparieren. Für den Zahnarzt kann das sehr teuer werden: Er steht schließlich mit einer zweijährigen Garantieverpflichtung im Wort.

Mit den Kassenhonoraren sind bei Keramik weder der Aufwand noch die Garantieverpflichtung des Zahnarztes abgedeckt. Seehofer will offenbar auf Kosten der Zahnärzte Wahlgeschenke verteilen: Macht sein Beispiel Schule, dann könnte der Verkehrsminister von der Autoindustrie fordern, Nobelkarossen zum Preis von Mittelklasseautos anzubieten und jeden Unfallschaden als Garantiefall zu behandeln.

Dr. Manfred Kinner Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns München*