"Heut' kommt der Hans zu mir, freut sich die Lies'", das sangen wir in der Schule. Heute heißt die Lies' wahrscheinlich Liz. Aber sie freut sich auf den Besuch ihres Machos wie damals die Lies', vor allem, wenn es sein erster Besuch ist. Bei den Vorbereitungen gibt es viel zu überlegen. Was soll sie ihm vorsetzen? Daß sie ihn erst vor zwei Tagen kennengelernt hat, macht die Sache nicht leichter. Es war mal einer ihr Gast, der reagierte allergisch auf Milchprodukte und ließ ihr selbstgemachtes Sahneeis elend schmelzen. Ein anderer war Junk-food-süchtig und säbelte lustlos an ihren Lammkoteletts herum. Ein dritter wollte gleich wieder gehen, als er Knoblauch roch. Liz ißt Knoblauch für ihr Leben gern, und wer keinen mag, mit dem will sie es nicht teilen, ihr Leben. Deshalb testet sie ihre Gäste zunächst einmal auf ihre Knofelliebe. Der neue Typ hat angedeutet, daß er sich auf ein gutes Abendessen freut. Außerdem hat sie ihn in einer Weinkneipe kennengelernt, wo er Rotwein trank. Das läßt hoffen, daß er den Knoblauchtest besteht.

Also beginnt Liz mit einem Paukenschlag. Als Vorspeise gibt es bei ihr Pizza. Aber nicht irgendeine tiefgefrorene; ihre Pizza ist selbstgemacht! Wo kriegt man heute noch eine selbstgemachte Pizza? Eine Pizza ohne Geschmacksverstärker, ohne Konservierungsmittel, ohne Farbstoff und Aromakonzentrat? Und gar eine mit Knoblauch? Auf Blätterteig? Danach will sich Liz nicht viel Mühe machen. Eine Entenbrust, geschnetzelt und scharf gepfeffert, ist eine Angelegenheit von zehn Minuten, schneller läßt sich ein Hauptgang nicht herstellen. Als Dessert kommt nur ihr Rezept für Erdbeeren in Frage. Diese anzügliche Frucht, zu der Champagner geradezu vorgeschrieben ist. Liz liebt Champagner über alles, auch wenn es ein deutscher Rieslingsekt ist. Obwohl er zum Knoblauch eigentlich nicht paßt.

Wenn schon selbstgemacht, dann aber auch gänzlich anders als die üblichen Hefeteigfladen. Die Alternative heißt Blätterteig. Dessen Herstellung mutet Liz sich verständlicherweise nicht zu. Sie kauft ihn fertig. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn nur ein routinierter Konditor bringt einen Blätterteig ohne Fluchen zustande; es ist eine Hundsarbeit.

Vorgefertigter Blätterteig ist eines der Produkte, bei denen die Konfektion der Handarbeit eindeutig überlegen ist. Es gibt ihn schon lange; aber erst seit neuestem in einer Version, die sogar mich überzeugt. Selbstverständlich ist dabei Hexerei im Spiel - von jener Sorte, die der Zauberlehrling im Labor von der Leine läßt. Aber auch Autos werden heute nicht mehr von Hand hergestellt, sondern am Fließband und funktionieren besser als selbstgebastelte. Hier handelt es sich um Blätterteig als Rolle, verpackt wie Alufolie. Man nimmt sie 20 Minuten vorher aus dem Kühlschrank (nicht aus der Tiefkühltruhe, wie bei den Vorgängern!). Der runde Teigfladen, Durchmesser 40 cm, ist mit Backpapier zusammengerollt. Man entrollt ihn, entfernt das Papier aber nicht, sondern legt die runde, sehr dünne und von unten durchs Papier geschützte Teigscheibe aufs Backblech. Mit der Gabel einige Male einstechen und belegen. Es gibt keinen Grund, ihn in eine runde Tortenform zu legen, da er nicht auseinanderläuft oder sonstwie die Form verliert. Darauf kommen all die Dinge zu liegen, die Liz auf ihrer Pizza versammeln möchte. Das ist zuerst und vor al- lem natürlich der Knoblauch. Er wird nicht gehackt, sondern gepreßt. Wie viele Zehen, spielt keine Rolle. Liz sorgt dafür, daß die gesamte Teigoberfläche mit feuchtem Knoblauchbrei eingestrichen ist. (Dies ist ein Sommerrezept. Im Winter ist Knoblauch alt, kaum noch feucht und enthält bereits einen Keim. Er schmeckt zwar noch charakteristisch scharf, ist aber nicht sonderlich bekömmlich.)

Nun geht es klassisch weiter mit den Tomaten. Sie sollten groß und fest sein, werden in Scheiben geschnitten, auf den Teig gelegt und gesalzen. Liz geht sodann mit der Pfeffermühle darüber, als gelte es, schnüffelnde Hunde abzuschrecken. Liz ist ein modernes Mädchen. Sie fragt nicht ängstlich nach Gewicht und Anzahl der Zutaten. Sie gibt mit vol-len Händen. Und greift ebenso unbekümmert zur Pfeffermühle wie zur Knoblauchpresse.

Der zweite Schritt ist naheliegend. Er besteht aus Sardellenfilets (Anchovis in Öl), die es in Dosen oder Gläsern gibt. Sie werden mit Küchenkrepp abgetupft und ziemlich dicht auf die Tomatenscheiben gelegt. Dazwischen und daneben verteilt Liz halbe, schwarze Oliven, die sie halbiert hat, weil sie nur ohne Kerne auf die Pizza dürfen. Und weil Thymian und/oder Oregano auf eine Pizza gehören und die Chance besteht, das eine oder andere Kraut frisch aus dem Garten zu holen, wird davon etwas über die Tomaten gestreut. Etwas - zuviel ist penetrant. Getrocknete Kräuter aus Gläsern haben keinen Zutritt.

Als Clou der Belegung, anstelle der üblichen, Mozzarella oder sonstwie genannten Gummischeiben, hat Liz sich runde Ziegenkäse besorgt. Picodon aus der Provence oder Chabichou von der Loire oder andere kleine Ziegenkäse, welche nicht hart und trocken, aber auch nicht weich und cremig sein sollten. Die werden in Scheiben geschnitten und als letzte, abdeckende Lage auf die Tomaten gelegt. Darauf noch einmal schwarzen Pfeffer und dann ab in die Hitze.