Ich habe jetzt ein halbes Jahr in Deutschland studiert. Zum Glück an zwei kleinen Instituten; mir ist also das entmutigende Erlebnis erspart geblieben, einen Sitzplatz in einem überfüllten Hörsaal suchen zu müssen. Trotzdem habe ich das Gefühl, daß ich ohne viel Aufmerksamkeit durch die Universität geschlüpft bin. Keine Lehrbücher und wenig Lektüre, nur hier und da Literaturhinweise vom Professor und ein Ordner zum Kopieren: Dieser unabhängige Lehr- und Lernstil war für mich höchst frustrierend. Bei der Rückgabe der schriftlichen Hausarbeiten war ich häufig enttäuscht: keine Note, kein Kommentar - kein Zeichen, daß sie überhaupt gelesen worden waren.

Im vergangenen Herbst habe ich den Studentenstreik miterlebt und mich ständig mit meinen Mitbewohnern im Studentenwohnheim über die Ziele der Aktionen gestritten - bis ich endlich verstanden habe, daß sie gegen Verhältnisse streiken, die ich für ganz normal halte.

Schon mit meinem Highschool-Abschluß hatte ich beschlossen, bei einer relativ billigen staatlichen Universität anzufangen. Die Studiengebühren waren für amerikanische Verhältnisse niedrig: ungefähr 4000 Dollar pro Jahr plus etwa 6000 Dollar Lebenshaltungskosten. Im amerikanischen Hochschulsystem gibt es nicht nur den Wettbewerb um die besten Studienplätze, sondern auch den zwischen den Hochschulen um die besten Studenten. Entscheidend für jeden Studenten ist bei der Auswahl die Frage: Wie gut ist die Universität in dem Studiengang, für den er sich schließlich entschieden hat?

Um schneller fertig zu werden, absolvierte ich schon vor der Uni die grundlegenden Hochschulkurse und Prüfungen. Mit diesen Leistungen und mit der Unterstützung meiner Eltern habe ich mein Bachelor's-Diplom in den Hauptfächern Journalistik und Germanistik in drei Jahren (statt der gewöhnlichen vier bis sechs) ohne Schulden abgeschlossen.

Die Studiengebühren bei einer Privatuniversität liegen zwischen 17000 und 20000 Dollar. Die Georgetown-Universität in Washington, D.C. hat mir wegen meiner bisherigen akademischen Laufbahn ein Stipendium bewilligt. Ich muß aber immer noch für meinen Lebensunterhalt einen Kredit aufnehmen und natürlich auch noch nebenbei arbeiten. Wenn ich im Jahr 2000 fertig bin, werde ich 20000 bis 40000 Dollar Schulden haben. Aber das Studium ist mir so viel wert.

Ich war sehr überrascht, daß die deutschen Studenten so wenig für ihre Ausbildung bezahlen müssen. Dabei könnte das System der Hochschulfinanzierung auch hier ganz anders aussehen. Das Geld, das der Staat in die Universitäten investieren muß, könnte er seinen Studenten als Darlehen zur Verfügung stellen, während Unternehmen, Vereine und Institute den Studenten Stipendien zukommen lassen, die schließlich an die Hochschulen zurückfließen.

Wenn ich das Studium beginne, weiß ich genau, wann ich meinen Abschluß machen kann. Mit der Wahl des Faches entscheide ich mich automatisch für eine vom Institut festgelegte Vorlesungsordnung, mit der man das Studienziel am besten erreicht.