So "schnell wie möglich" soll es hierzulande mit der Atomenergie zu Ende gehen. Das steht bereits seit Mitte April im Wahlprogramm des SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder. Und dabei bleibt es. Denn, na klar, rascher als schnellstmöglich geht es nicht. Das ließ der Kandidat verlauten, nachdem der Spiegel von Plänen aus der Umgebung Schröders berichtet hatte, denen zufolge die ältesten sechs der insgesamt neunzehn hiesigen Meiler schon bald nach einem Wahlsieg Schröders abgeschaltet werden sollen. Nun also sind die Wähler wieder genauso schlau wie vorher.

Wohlgemerkt, es geht bei dem Hin und Her um den Ausstiegsfahrplan nur um die bereits existierenden Atomkraftwerke. Auch wenn die Politiker von Union und FDP es noch nicht wahrhaben wollen: Der von ihnen selbst geschaffene Wettbewerb auf dem Strommarkt verbietet den Bau neuer Meiler; sie sind schlicht zu teuer. Die älteren Atomkraftwerke aber produzieren konkurrenzlos billig Strom. Wer sie, wie SPD und Grüne, schnell loswerden will, kann Probleme bekommen: technische, juristische und ökologische.

Schwerwiegender ist das juristische Problem. Die Kraftwerksbetreiber verfügen über unbefristete Betriebsgenehmigungen. Wer sie ihnen entziehen will, muß mit Schadenersatzforderungen rechnen. Deshalb beteuert Schröder fortwährend, den Ausstieg im Konsens organisieren zu wollen. Da die Betreiber mit einer Laufzeit von rund vierzig Jahren kalkulieren, könnte der erste Nuklearblock (Obrigheim) nicht vor dem Jahr 2008 abgeschaltet werden; die beiden letzten (Neckarwestheim 2 und Emsland) würden erst im Jahr 2028 folgen. Zwar könnte eine atomkritische Regierung den Konzernen Knüppel zwischen die Beine werfen. Doch selbst die Grünen wissen, daß ihr Versprechen eines schnelleren Atomausstiegs am Veto der Verfassungsrichter scheitern kann.

Doch ob er früher oder später kommt: der Abschied vom Nuklearstrom beschert ein neues Umweltproblem - wenn nicht konsequent gegengesteuert wird. Um zu vermeiden, daß der Atomausstieg auf Kosten des Klimaschutzes geht, muß mehr Energie gespart werden, mehr Strom aus Wind- und Sonnenkraft erzeugt werden. Beides geht. Allerdings läßt Kandidat Schröder die Wähler hierüber noch mehr im unklaren als über seinen Ausstiegsfahrplan.