Du siehst aus wie Richard Gere", sagte kürzlich ein Freund zu mir, "hast einen tollen Körper, eine Brille wie Woody Allen, die Frauen sind verrückt nach dir! Also was zum Teufel hast du gegen Sex?"

"Ich will's dir erklären", sagte ich. "1970 wurde ich zwölf, und ausgerechnet in diesem Augenblick erreichte die blöde sexuelle Revolution ihren Höhepunkt! Überall diese halben Bikinis auf den Titelblättern und Dr. Sommer, der uns in Bravo erklärte, daß wir uns unter der Vorhaut putzen müssen. Die Eltern schnappten über vor Toleranz und ließen amerikanische Sexhilfe-Bücher auf dem Nachttisch liegen, verstehst du?"

"Eins davon hieß ,Wege zum erfüllten Eheleben'", sagte ich, "und da sah ich diese photorealistischen Bleistiftzeichnungen von Männern mit Pimmeln bis nach Peking! Es waren natürlich ganz normale Erektionen, aber mir kamen sie eben wie bis nach Peking vor. Mein Gott, ich spielte noch mit Lego!"

"Schon gut", sagte mein Freund, "keine Panik."

"O doch", sagte ich, "ein Bub in Panik, denn er denkt, daß Gott ihm den mickrigsten Schwanz der Welt angehängt hat!"

"Eine subjektive Empfindung", sagte mein Freund.

"Keineswegs, sondern pure Statistik", sagte ich. "In ,Wege zum erfüllten Eheleben' gab's nämlich ein Kapitel ,Das männliche Glied'. Dort stand, daß dieses 14 bis 18 Zentimeter lang sein müsse. Ich legte mein Würmchen aufs Lineal, Resultat: lausige 5 Zentimeter! Katastrophe! Ich hatte Pilot werden wollen, aber mit einem so kurzen Ding, sagte ich mir damals, reicht es höchstens zum Pfarrer."