An der Rente entzündet sich der Generationenkonflikt: Mit diesem Szenario machen Gegner des jetzigen Rentensystems Politik. Guido Westerwelle zum Beispiel, der FDP-Generalsekretär. Auch Jörg Tremmel belädt die Diskussion um die Alterssicherung mit derlei Symbolik: Der Initiator der "Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen" glaubt, daß sich an der Rente exemplarisch zeigen werde, "ob Jung und Alt auch weiterhin partnerschaftlich zusammenleben". Dagegen stellen Verteidiger des bestehenden Systems wie Arbeitsminister Norbert Blüm in Abrede, daß es überhaupt irgendeinen Interessenkonflikt gebe.

Kann man in Deutschland überhaupt noch ernsthaft über die Rente reden? Sie ist zum Symbol geworden, mit dem Neoliberale wie Strukturkonservative ihren Streit am liebsten zelebrieren. Kommt in der Rentenkasse ein neues Loch zum Vorschein, propagieren die einen das Ende des Sozialstaats, die anderen wiegen alle Welt in Sicherheit.

Die Deutschen wollen keinen radikalen Wechsel. Aber sie wollen eine behutsame Reform des Rentensystems, die ihnen Sicherheit für ihr Alter garantiert. Selbst wenn das heute etwas mehr kostet. Und darin sind sich die Jungen mit den Alten überraschend einig - einen Generationenkonflikt mag es geben, ein Rentenkonflikt ist es nicht.

Rente ist wichtig: Zwei Drittel der Befragten denken viel darüber nach. Rundum sorglos vermag kaum jemand an sein Altengeld zu denken; doch mehr als die Hälfte von Alt und Jung glaubt nach wie vor, im Alter weitgehend abgesichert zu sein. Vertrauen ist also noch da - mehr als ein Drittel hat sich nicht einmal damit befaßt, wie hoch die Rente ist, die sie nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge im Alter erwarten können.

Über alle Altersgruppen hinweg ist die Meinung verbreitet, das bestehende Rentensystem habe sich im Prinzip bewährt, müsse aber korrigiert werden. Eine satte Mehrheit von drei Vierteln hält Reformen für notwendig; so gut wie niemand will das System lassen, wie es ist. Für einen radikalen Umbau spricht sich aber nicht einmal ein Viertel aus.

Ohne großen Wagemut läßt sich das Ergebnis als Votum für das sogenannte Umlageverfahren interpretieren: Den Menschen gefällt der Generationenvertrag, nach dem sie heute die Rente der Alten finanzieren und später von den nachfolgenden Generationen ihr Ruhegeld empfangen.

Folgerichtig lehnen die Befragten eine steuerfinanzierte Grundrente ab, wie sie vor allem der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) propagiert. Der Gedanke, gänzlich ohne Arbeitsleistung einen Anspruch auf Rente im Alter zu haben, widerspricht offenbar dem Leistungsdenken. Gleichzeitig finden es nämlich fast alle ungerecht, daß denjenigen, die lange gearbeitet haben, nicht wenigstens eine Mindestrente in Höhe der Sozialhilfe zusteht.