Computerprogramme zum Erlernen von Fremdsprachen, die für Zielgruppen vom Kindergartenalter bis zum Manager konzipiert werden, versprechen nicht nur den schnellen Erfolg, sondern Vergnügen obendrein. Ist es also an der Zeit, daß in der Schule das Sprachlabor dem PC-Raum weichen muß? Zunächst gilt es, geeignete Lernsoftware zu finden.

Unter www.lernsoftware.com findet sich eine Internetdatenbank, die damit wirbt, Bildungssoftware nicht nur nach Fächern sortiert darzustellen, sondern auch Kurzinformationen, ausführliche Dokumentationen oder gar Demos von Programmen abrufbar zu halten. Ein löblicher Anspruch, der leider nicht erfüllt wird. Bei den Fremdsprachenprogrammen findet sich eine einzige Demo, die jedoch nicht abrufbar ist; statt dessen eine Fehlermeldung. Kurzinformationen gibt es nur über wenige Programme; im Regelfall bestehen sie aus Bestelldaten und einer Telephonnummer. Das Bestellen aller Produkte ist online kein Problem. Jedoch: Wer kauft schon gern die Katze im Sack?

"Password Green" heißt eine schulbuchbegleitende interaktive CD-ROM-Reihe aus dem Klett Verlag. Sie ist jeweils als Vokabel- und Grammatiktrainer verfügbar. Der Vokabeltrainer bietet dem Sprachschüler die drei Arbeitsmodi Betrachten, Üben und Testen und folgt in seiner Struktur dem gleichnamigen Lehrbuch. Die Vokabeln können gehört oder gelesen werden. Der Schüler kann seine eigene Aussprache aufnehmen und abhören. Es besteht auch die Möglichkeit, neue Vokabeln einzugeben. Dabei reagiert das Programm mitunter sonderbar. Indeed gebe ich für wirklich ein, und nachher soll ich indeedl (wirklich!) eingeben, um mir keinen Anpfiff anzuhören. Plaudern /to chat wird zu chatl. Vielleicht ist das die schwäbische Version? Der Grammatiktrainer besteht überwiegend aus Lückentextaufgaben. Dabei kann der Sprachschüler Schwerpunktthemen vorgeben. Leider bieten die Übungen keinen Mix verschiedener Probleme und erscheinen daher recht monoton. Wer allerdings Wert auf genaue Ergebnismessung legt, wird zufrieden sein. Beide Programme registrieren alle richtigen und falschen Antworten und geben den Lernstand exakt wieder. Die Aufmachung beider Programme hält die Lernlust in Grenzen. Hier und da ein Tierchen, das sich mühsam von rechts nach links über den Bildschirm quält, das ist zuwenig.

Eule Archie fliegt auf den Lern-Lenker

Eule Archie wird die Herzen der Kinder leichter erobern. Sie ist die Leitfigur des "English Coach 2000" von der Cornelsen Software AG, einem interaktiven Lernprogramm zum Lehrwerk English G 2000. Sie fliegt, begleitet von schwungvoller Musik, auf unseren Lern-Lenker nieder und gibt Tips.

Lern-Lenker? Was sonst in Form von meist langweiligen, nicht immer eindeutigen Schaltflächen auf dem Bildschirm liegt, ist hier als Motorradlenker gestaltet. Wer hätte da nicht Lust, sich auf die Fahrt in eine der virtuellen Ortschaften zu begeben und so die Stoffe der verschiedenen Lektionen zu erkunden. Das Programm bietet eine Fülle von Aufgaben, darunter natürlich auch klassische Grammatik- und Wortschatzübungen. Besonders viel Spaß macht jedoch der Action-Koffer. Er enthält neue Übungsformen wie die chatterbox. Damit kann der Schüler einen kurzen Dialog vervollständigen und aufzeichnen. Er hört sich im echten Dialog mit dem englischen Sprachpartner. Selbstverständlich werden die Lernergebnisse protokolliert und sind jederzeit abrufbar. Ein Wörterbuch und eine Minimalgrammatik runden den "English Coach 2000" ab.

Zwar nicht für die Schule konzipiert, aber dennoch dort einsetzbar, ist die Reihe "Tell me more", die von der französischen Firma Auralog produziert wurde und von Cornelsen Software in Deutschland vertrieben wird. Die Reihe "Tell me more" wird für Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch auf jeweils drei Schwierigskeitsstufen angeboten. Das Besondere an dieser Reihe ist der innovative Einsatz von Spracherkennungssoftware. Dafür wurde das Programm im Mai auf der Worlddidac ausgezeichnet. Der Sprachschüler kann nicht nur sein Gesprochenes (Wörter und Sätze) aufnehmen und mit dem Vorbild vergleichen, sondern die Spracheingabe wird maschinell mit dem Vorbild verglichen und bewertet. Zusätzlich werden die Phonetik und die Intonation von Modell und Schüler visuell dargestellt, so daß Abweichungen auch im Bild nachvollziehbar sind. Diese kann der Schüler dann isolieren und so gezielt einzelne Phoneme weiter üben. Darüber hinaus bietet "Tell me more" auch eine vielfältige und abwechslungsreiche Übungssammlung von Zuordnungen, Lückentexten, Diktaten... Diese neue Technik macht nicht nur das Sprachlabor überflüssig. Sie kann vielleicht auch die Skeptiker überzeugen, die bislang Lernprogramme im Sprachunterricht ablehnten, da sie keine Übungsmöglichkeiten für Phonetik und Intonation boten. Was bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß auch diese Software den Unterricht nicht ersetzen, sondern nur ergänzen kann. Für diesen Einsatz bedarf es neben guten und unterhaltsamen Programmen innovationsfreudiger und in der Sache ausgebildeter Lehrkräfte.