Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, will hoch hinaus und eckt damit an. Der Plan, den grünen Bonner Rheinauenpark mit einem 180 Meter hohen Posthochhaus zu verunstalten, ist bei SPD-MdB Peter Conradi auf heftige Kritik gestoßen. Conradi, von Beruf Architekt, nannte die Hochhauslösung "absurd", weil sie kaum flächensparend, unwirtschaftlich und zudem ökologisch ein Ärgernis sei: "Hochhäuser entsprechen dem Potenzgehabe großer Banken und Unternehmen, deren Vorstände glauben, mit einem Hochhaus zeigen zu können, wie mächtig sie sind. Viagra-Architektur!"

Unmoralisch Wo er recht hat, hat er recht. Gemeint ist Otto Graf Lambsdorff, der nach 26jähriger Mandatstätigkeit die aktive Parlamentsarbeit aufgibt. In einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung kritisiert Lambdorff die modisch gewordene Abwertung des Begriffs "neoliberal" als etwas Unmoralisches. Er verweist auf den Neoliberalen Wilhelm Röpke, der in diesem Jahrhundert zu den Ökonomen gehöre, die die moralische und ethische Grundlage der sozialen Marktwirtschaft am stärksten betont hätten. Lambsdorff: "Es ist völlig ungerechtfertigt, Neoliberalismus und nackten Kapitalismus gleichzustellen."

Denkt man das konsequent zu Ende, so ist die FDP von heute eine "nackte Kapitalismus"-Partei. Das dürfte Lambsdorff noch weniger gefallen.

Verdreht Wie man die Dinge doch verdrehen kann. Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Dieter Thomae, und sein Fraktionschef Hermann Otto Solms forderten Gesundheitsminister Horst Seehofer auf, er solle "den Feldzug gegen die Zahnärzte stoppen". Eine wirklich seltsame Sicht der Dinge. Schließlich war es deren Standesorganisation, die mutwillig gegen Seehofer klagte und nun bereits in zweiter Instanz unterlag. Das Landessozialgericht Düsseldorf attestierte den Zahnärzten "fehlerhafte Rechtsauffassungen", weil sie meinten, sich nicht an die vom Gesetz vorgesehenen Honorarobergrenzen für bestimmte Zahnersatzleistungen halten zu müssen. Damit hätten sie "in gravierender Weise gegen den Sicherstellungs- und Gewährleistungsauftrag verstoßen". Daß Seehofer die Ärzte notfalls zwingen will, überhöhte Honorarforderungen zurückzuzahlen, ist nur folgerichtig und hat nichts mit einem "Rachefeldzug gegen Zahnärzte" zu tun, wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung behauptet. Aber in Fragen des Geldbeutels waren die Zahnärzte noch selten einsichtig. Das zeigte sich auch nach Seehofers Vorwurf, sie würden Privatpatienten unangemessen abkassieren. Jobst-Wilken Carl, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, wies dies prompt zurück. Hätte er vorher den Jahresbericht 97 der PKV gelesen, hätte er klarer gesehen.

Danach hat sich der Anteil der abgerechneten Honorare, die über dem Regelhöchstsatz der Gebührenordnung lagen, seit 1989 von 18 auf 37 Prozent verdoppelt. Generell lag der Anstieg der PKV-Ausgaben für Zahnbehandlung und -ersatz deutlich über dem Durchschnitt. Zahlen lügen nicht!