Wo sind eigentlich die Männer in Susanne Mayers schönem Artikel? Im allerletzten Absatz, am Rande einer Randspalte, tauchen wir auf. Wo wir es doch so schlecht verwinden, nahezu vergessen zu werden. Eine subtile Gemeinheit. Aber das Gute ist: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erscheint bei Frau Mayer als reines Frauenproblem. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung pur. Recht so! Wenn Kinder kommen, sollen sich doch die Frauen drum kümmern. Sie haben diese Plagegeister in aller Regel ja auch gewollt, dem Ticken der biologischen Uhr gehorchend. Dann sollen sie auch konsequent sein und nicht die Gesellschaft (sprich: die Männer) mit diesem Doppelbelastungsthema behelligen. Wer A sagt, muß eben auch B sagen. Typisch Frau, diese Inkonsistenzen. Und diese Larmoyanz. Wir Männer kennen so etwas gar nicht.

Prof. Dr. Wolfgang Seibel Konstanz

Wo kommen wir Menschen aus den neuen Bundesländern vor mit unseren Lebensumständen, mit unserer Sprache, mit unseren Gedanken?! Bei Umfragen werden wir zumeist ausgespart

ob bewußt oder unbewußt, will ich nicht entscheiden. Aber es fällt auf. So auch in dem Artikel über Frauen und Berufstätigkeit. Da hätten sich in unserern Ländern trotz der hohen Frauenarbeitslosigkeit viele Beispiele finden lassen, wie wir versuchen, die guten Erfahrungen und Einsichten aus DDR-Zeiten zu bewahren.

Irene Heineche Flechtingen

Mit meiner "Vierzig-Stunden-Kraft" bin ich verheiratet. Mein Mann kümmert sich um unsere beiden Kinder, fünfzehn Monate und fast vier Jahre alt. Gehe ich einkaufen? Nein. Kochen? Putzen? Gelegentlich am Wochenende. Diese Variante ist sicherlich nicht ganz so luxuriös wie die der Anwältin, hat aber offensichtlich einen ähnlich hohen Seltenheitswert. Denn in Ihrem Artikel spielen die Männer eine Rolle die stark gegen Null tendiert.

Unser Modell "Rollentausch" eignet sich zum Weiterempfehlen, wenn es auch nicht ohne Tücken ist: "Natürlich" will ich als Mutter ein besonders guter "Vater" sein und bringe meinen Sohn morgens in den Kindergarten. "Natürlich" darf mein Mann morgens länger schlafen als ich, während ich die Kinder schon mal versorge. "Natürlich" habe ich die Kinder noch voll gestillt, als ich - jeweils drei Monate nach ihrer Geburt - wieder mit meiner Arbeit als aktuelle Hörfunk-Redakteurin begonnen habe. "Natürlich" bringe ich abends die Kinder ins Bett, und mein Feierabend beginnt oft erst um 21 Uhr. "Natürlich" bricht bei uns alles zusammen, wenn die Kleine mal wieder ins Krankenhaus muß, oder mein Mann gerade mit Hexenschuß darnieder liegt. Mein Leben ist nicht wenig anstrengend, aber ich hab' es so gewollt. Als Hausfrau und Vollzeitmutter wäre ich unerträglich und unfähig - dann lieber den alltäglichen Familienwahnsinn.