Noch vor zweihundert Jahren beflügelte Wissenschaftler und Abenteurer der Traum von einem unentdeckten, großen Land auf der Südhalbkugel: der Terra australis incognita. Seeleute wie Cook, Weddell oder Biscoe begaben sich auf große Fahrt und suchten im Kampf gegen Wind und Wetter das sagenumwobene Land. Doch die Forschungsreisenden, Händler, Robbenjäger und Walfänger mußten nach und nach die weißen Flecke auf den Landkarten mit ozeanblauer Farbe ausmalen. Übrig blieb nach Irrfahrten, unbeschreiblichen Opfern und der Entdeckung kleinerer Inselketten nur die Eiswüste Antarktis. Der Traum von einem paradiesischen Land ging in den stürmischen Wogen unter.

Die Geschichte der Antarktis und ihrer Entdecker beschreibt Alan Gurney in seinem Buch "Der weiße Kontinent". Auf seiner Schiffsreise durch die Zeit läßt er den Leser an nautischen, navigatorischen und technischen Entwicklungen wie des Chronometers teilhaben. Er erzählt vom Kampf gegen die Seefahrerkrankheit Skorbut und von den Schicksalen der Seeleute. Deutlich wird auch, daß die Entdeckung untrennbar mit dem blutigen Geschäft der Robbenjäger und Walfänger verbunden ist.

Gurney schreibt so, daß nie Langeweile aufkommt. Doch in manchen Kapiteln kreuzt er ziellos umher, läßt Wellen von Namen und Ländern über den Leser hereinbrechen und strandet schon mal in bezuglosen Episoden, deren Sinn nicht deutlich wird. Des öfteren wünscht man sich eine übersichtliche Weltkarte zur Orientierung.

Die Entdeckungsreise erleidet keinen Schiffbruch, sondern weckt Begeisterung für die Geschichte des weißen Kontinents, dessen Erkundung erst 1911 mit der Südpolexpedition von Roald Amundsen ihren Höhepunkt erreichte.

* Alan Gurney:

Der weiße Kontinent

Aus dem Englischen von Michael Benthack