Die Verschleierung islamischer Frauen, das Kopftuch gehört dazu, war als Instrument der Unterdrückung der Frauen gedacht und ist es geblieben. Als Schulärztin untersuche ich fünfzehn- bis sechzehnjährige Mädchen, darunter viele muslimische Mädchen mit Kopftuch. Kaum eine sagte, daß sie dies aus religiösen Gründen und gerne tut, sondern auf Befehl und Druck von Vätern und Brüdern, die selbst mitteleuropäisch gekleidet durch die Straßen laufen. Eine "offiziell" verschleierte Lehrerin würde diesen Mädchen alle Argumente nehmen, ihre eigenen Vorstellungen eventuell durchzusetzen.

Aus diesen Gründen, nicht aus Mangel an Toleranz, würde ich mir selbst nicht wünschen, daß meine Kinder von einer verschleierten Lehrerin unterrichtet werden.

Dr. H. Stratmann-Gnändiger Erkrath

Ich habe lange in einem überwiegend muslimischen Land gelebt, in dem entrechtete Frauen mit verstümmelten Genitalien die Normalität waren. Und ich kenne Entwicklungshelfer/innen, die ihr Leben dafür riskierten, um unterdrückten Frauen zum Beispiel in Algerien zu ein wenig Selbständigkeit zu verhelfen. Vor diesem Erfahrungshintergrund ist mir Fereshta Ludins Beharren auf dem Kopftuch unbegreiflich.

Ilka Dettmar Den Haag

Es mag sein, daß eine radikale Strömung das Kopftuch zu einem Symbol gewählt hat. Diese unglückliche Wahl darf aber nicht dem Islam angelastet und schon gar nicht als ein Anlaß dafür gesehen werden, die Religionsausübung von Millionen von Gläubigen und die Religionsfreiheit einzuschränken. Es gehört sich, um der Objektivität und Werturteilsfreiheit Rechnung zu tragen, die Vermengung von Kopftuch und politischen Motiven zu verachten. Es ist jedoch falsch, den Trugschluß zu ziehen, daß jede Kopftuchträgerin sich politisch verhält.

G. Sarac Muslimische Studentin Kopftuchträgerin Bielefeld