Der Chef war sichtlich stolz. Es kostete ihn Mühe, beim Werkrundgang den protokollgerechten Abstand hinter der Queen einzuhalten. Das war im Mai vergangenen Jahres, als Siemens-Chef Heinrich v. Pierer Ihre Majestät zur Einweihung in das neue Chipwerk des Konzerns im englischen North Tyneside begleitete. Die Königin pries das Werk als größte High-Tech-Investition in Großbritannien.

Jetzt, gut ein Jahr nach Inbetriebnahme, ist die Glorie vorbei. Spätestens im September ist Produktionsschluß. Schuld ist - laut Siemens-Management - der unerwartet dramatische Preisverfall bei den kleinen Speicherchips, den hauptsächlich die asiatische Konkurrenz verursacht habe. Gestützt durch Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF), würden die Koreaner den Weltmarkt mit Dumpingangeboten überschwemmen. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Denn als Mitte der neunziger Jahre die Siemens-Vorstände ihr Speicherchipgeschäft mit Macht ausbauten, hatten selbst die eigenen Betriebsräte in München vor Überkapazitäten gewarnt.

Den Vorstand drängte es jedoch zu einer Vorzeigeinvestition in Britannien - auch, um dort bei Infrastrukturprojekten besser ins Geschäft zu kommen. Rund zwei Milliarden Mark Investitionen und eine weitere Milliarde für eine sozial abgefederte Schließung müssen jetzt abgeschrieben werden - mehr als der anvisierte Jahresgewinn des Konzerns 1998. Doch die anhaltenden Betriebsverluste wären mittelfristig teurer gekommen. Und da Pierer den Kapitalanlegern bessere Renditen versprochen hat, nahm er den Prestigeverlust auf der Insel in Kauf. Sicher ist: Die Queen dürfte darob "not amused" sein.