Diese Sonnenuntergänge zu beschreiben, ohne kitschig zu werden, ist kaum möglich. Sie sind nun mal wunderschön, und das nahezu Abend für Abend. Wenn der rote Ball das Wasser in der Bucht funkeln läßt und den Küstenstreifen am Horizont mit Feuer übergießt, dann versammeln sich die Menschen auf der Uferpromenade im brasilianischen Salvador da Bahia.

Schon bevor sich das warme Rot zeigt, sitzen Liebespaare ("eng umschlungen") da, genießen das goldene Licht am Fuß der Felsenfestung, die wie eine Spitze der Stadt ins Wasser ragt: hier die schützende Bucht, dort die Weite des Atlantiks.

Der Leuchtturm, der sich aus der Festungsmitte erhebt, strahlt lange vergebens, bis er schließlich doch an Macht gewinnt und seine Arme über die Paare im Dunkeln hinweg weit hinaus aufs Wasser schwenkt.

Nicht alle Genießer sitzen. Viele spazieren oder laufen auf den gemusterten Bürgersteigen, entlang einer alten, weißgetünchten Uferbalustrade aus geschwungenen Säulchen, von den wechselnden Farben des Lichts umfangen.

Sonnenuntergänge schaffen etwas Friedliches. Man kennt das Gefühl von anderen Orten, liebt es, aber man vermeidet seine Beschreibung, wohl um es vor Zerstörung zu bewahren.

Ein Schweigen begleitet den abendlichen Abschied von der Sonne. Die Minuten, die den gleißend hellen Tag trennen von der abrupt einbrechenden, sehr finsteren Nacht, sind wunderschön und sehr empfindlich.

Da sind auf der Uferpromenade ein paar Passanten stehengeblieben. Sie starren stumm und ängstlich auf den Kampf zweier Männer.