Sieger des Grand Prix Eurovision, des großen europäischen Schlagerwettbewerbs, wurde in diesem Jahr Israel. Es triumphierte mit einem Lied der Sängerin Dana International. Dana war früher ein Mann

sie hat eine Geschlechtsumwandlung hinter sich.

Schöner läßt sich die Unmöglichkeit, "europäische Identität" zu definieren, nicht versinnbildlichen. Israel liegt nicht auf dem europäischen Kontinent.

Dana sang in hebräischer Sprache. Die attraktive Sängerin hat ihre Weiblichkeit selbst gewählt. Ungeachtet dieser verwirrenden Tatsachen haben Hunderttausende von Fernsehzuschauern in über zwanzig europäischen Nationen Dana als eine der Ihren anerkannt und sie per Telephon-Direktwahl zur Siegerin gekürt.

Mit ihrer Wahl bekannten sich diese Europäer zu einer Kultur der Offenheit und Vieldeutigkeit, die Europas bestes Zukunftskapital ist. Sie bestätigten, daß es ein Gewinn und kein Mangel ist, ohne festgefügte "Identität" zu leben.

Die europäischen Eliten aber fürchten, das vereinigte Europa werde ohne eine gemeinsame "geistige" oder "kulturelle Identität", die den Europäern ein Gefühl kollektiver Geborgenheit vermitteln könne, nicht existenzfähig sein.

Der Ruf nach "Identität" ist nicht nur illusorisch, sondern auch gefährlich.