DUPLEX RIDE

Ein Stück von Pina Bausch wünscht man sich um diese Musik: eine leere Bühne und nur diese Stimme, minutenlang, bis dann vom Klavier ein paar Töne wie Laub über den Boden gewirbelt werden

ein Schreiten der Stimme, die Ton um Ton etwas Beschwingtes bekommt, einen fingerschnippenden Schwung.

Die norwegische Sängerin Sidsel Endresen war bisher nur Freunden der schönen Traurigkeit bekannt, ihre Texte voll poetischer Skepsis sprach und sang und flüsterte sie zur Begleitung von Trompete, Cello und Perkussion, ob hier oder dort, sie strahlt jene Klarheit und Reinheit aus, die fasziniert und zugleich ein bißchen einschüchtert. Das heißt: Der Respekt war oft größer als der Genuß.

Mit dem Keyboarder Bugge Wesseltoft, auch er ein Musiker aus dem norwegischen Teil des ECM-Pools, begibt sie sich nun auf einen "Duplex Ride", mischt eigene Kompositionen mit Coverversionen von Pop-und Soul-Songs sowie freie Klangimprovisationen, schafft eine bittersüße Revue im musikalischen Theater.

Paul Simons "Fifty Ways To Leave Your Lover" singt sie in unglaublicher Dichte mit schmetterlingsgleicher Leichtigkeit und resigniertem Lächeln, in Hathaways "Trying Times" verfremdet sie das fiebrige Souljazz-Feeling mit jenem gutturalen Kieckser, der den Text in jeder Ecke der Welt ansiedelt.

Und immer nur sie und Wesseltofts Synthesizer: mal ein entspannter Baßlauf, dann ein elektronisches Krächzen und Rauschen, ein rhythmisches Tocken, ein Zwiegespräch, das auf Geschwätz und Füllwörter verzichten kann.