Es war die Strandparty des Jahres - inmitten dampfender Häuserschluchten.

Tonnen von Sand hatten die Organisatoren zu Wochenbeginn vor die New Yorker Börse gekippt, Wall Street feierte im Palmen-Ambiente und mit Funk-Musik. Das Spektakel in Manhattan galt einem Unternehmen aus der badischen Provinz: dem Walldorfer Softwarehaus SAP. Die Deutschen stehen für Supergewinne und Megawachstum, entsprechend großzügig verteilten amerikanische Börsenbosse und Geldexperten Superlative. Fazit: "Die aufregendste aller Neunotierungen".

Die Lorbeeren der Finanzszene erntet die Software-Schmiede nicht ganz zu Unrecht, schließlich sind die SAP-Aktien mittlerweile mehr wert als der gesamte Daimler-Konzern. Doch das Timing der erfolgsgewohnten SAP-Manager war diesmal ungünstig. Ausgerechnet am ersten Tag der New Yorker Börsennotiz sank der Kurs. Während vor der Tür gestählte Körper Beach-Volleyball zelebrierten ("Enjoy SAP"), verflog drinnen die Partylaune der Broker und Aktionäre.

Erneut fiel der Dow-Jones-Index, das bedeutendste Börsenbarometer der Welt.

Der Index ist damit bereits gut 500 Punkte von seinem jüngst erst aufgestellten Höchststand entfernt.

Es knirscht an den internationalen Finanzmärkten, Sand ist im Getriebe der globalen Geldmaschine, die bislang wie geschmiert gelaufen ist. "Nervosität und Angst breiten sich epidemisch aus", schlagzeilt die Börsen-Zeitung über ihren Wall-Street-Bericht. Die Unruhe zur Ferienzeit strahlt längst auf Europa aus. Ebenso wie andere Märkte auf dem Kontinent ist auch der Deutsche Aktienindex (Dax) seit Ende Juli auf Talfahrt. Die Stimmen mehren sich, daß die Jahrhundert-Hausse - allein der Dax hat in den vergangenen zwei Jahren um rund 200 Prozent zugelegt - nun doch zu Ende geht.

"Deutsche Aktien sind derzeit sehr teuer"