Ach, wunderbare deutsch-polnische Versöhnung! Sie vermag es, aus jedem Falken einen Fluthelfer zu machen. Wie hat Herbert Hupka, als er noch Vertriebenen-Funktionär war, herumkrakeelt: Schlesien-bleibt-unser als tägliches Memento. Jetzt ist er, schlohweiß und altersmilde, Träger der Ehrenmedaille seiner Geburtsstadt Ratibor geworden. Weil er bei den Aufräumarbeiten nach der Oderflut mit Geld und Tat geholfen hatte, nicht aus Revanchismus, sondern aus Heimatliebe.

Ach, alberne deutsch-tschechische Malaise! Sie vermag es, aus jedem Popanz eine Staatskrise zu machen. Ein langweiliger Wiederholungszwang der Politik.

Diesmal war es der tschechische Premier, der sich zuerst aufplusterte. Ins amtliche Dialogforum der beiden Länder gehöre kein Versöhnungsgegner, sagte er und meinte damit Sudeten-Verbandschef Franz Neubauer, fürwahr eine Taube im Vergleich zum frühen Herbert Hupka. Tief beleidigt geriert sich nun die deutsche Politik und tut gerade so, als wären morgen die Beziehungen abzubrechen. Ach ja, es ist Wahlkampf, und eiserne Parolen halten greise Heimatvertriebene bei Laune.

Der deutsch-polnischen Verständigung ebneten große Gesten und mutige Verträge den Weg. Nichts davon zwischen Bonn und Prag, einer Paradestrecke der Kleingeister. Was wäre wohl geschehen, hätte sich Franz Neubauer in seiner Geburtsstadt Marienbad zum Retter in der Flut aufschwingen wollen. Gut, daß niemand die diplomatischen Verwicklungen miterleben mußte - mangels Hochwasser.