Muß sich Europas Wettbewerbskommissar Karel Van Miert vor dem Europäischen Gerichtshof verantworten? Einem Votum Van Mierts folgend, hatte die EU-Kommission im Mai den Zusammenschluß untersagt, den die deutschen Medienunternehmen Bertelsmann und Kirch bei ihren Pay-TV-Töchtern Premiere und DF 1 planten. Es sei für den neuen Markt des digitalen Fernsehens ein Monopol zu befürchten. Nun möchte Kirch diese Entscheidung vor den EUGH bringen. Dabei geht es ihm vor allem darum, die seiner Meinung nach "fehlerhaften Einschätzungen und Beurteilungen" höchstrichterlich überprüfen zu lassen. Sonst, erklärt der Firmensprecher Johannes Schmitz, hätten sie "weiterhin Bestand". Doch bis es zu einer Entscheidung kommt, können einige Jahre vergehen.

Schlagzeilen macht die KirchGruppe derzeit auch in Italien. Unter dem Decknamen "Traviata" sollen der australischamerikanische Medienzar Rupert Murdoch, Italiens Silvio Berlusconi und der Saudi-Prinz Al Waleed mit Leo Kirch über einen Einstieg bei seiner deutschen Mediengruppe verhandeln. Dabei ist von einer Summe von 1,5 bis 1,6 Milliarden Dollar die Rede. Fedele Confalonieri, Vorstandschef der Silvio Berlusconi gehörenden Holding Fininvest SpA bestätigte, daß an einer "großen Kooperation" gearbeitet werde, und das könne "noch Monate dauern".

Derzeit ist Leo Kirch mit 1,3 Prozent an der italienischen Fernsehholding Mediaset SpA beteiligt, die zu knapp 49 Prozent von Berlusconis Fininvest beherrscht wird. Mediaset ist ertragstark und verfügt über beträchtliche finanzielle Mittel.

Den Kirch-Partnern geht es den Meldungen italienischer Zeitungen zufolge um den Einstieg in den deutschen TV-Markt, an dem Kirch mit Sat.1, DSF sowie dem Digital-Programm DF 1 vertreten ist.