Acht Wochen wurde gestreikt, ein paar Tage dauerte der Friede, jetzt droht neues Ungemach zwischen Amerikas Automobilgewerkschaft UAW und General Motors. Der Autogigant will seine gesamte Teile-Produktion unter dem Namen Delphi als unabhängiges Unternehmen an die Börse bringen. Die Gewerkschaft reagierte mit Wut und Enttäuschung. "Wir können und werden die Interessen unserer Mitglieder verteidigen", fauchte der für GM zuständige UAW-Vize Richard Shoemaker. Im Klartext: Es droht ein neuer Streik.

Beide Seiten handeln rational: General Motors ist die größte Autofirma der Welt - mit den höchsten Kosten in der Branche. Ein großer Teil davon fällt bei der Herstellung von Vorprodukten an, die bei Ford, Chrysler und den Japanern längst in weiten Teilen von unabhängigen - und billigeren - Lieferanten geleistet wird. Die UAW fürchtet nun zu Recht, daß Delphi als unabhängiges Unternehmen nicht mehr die mit der Gewerkschaft ausgehandelten hohen Löhne zahlen wird. Andere Lieferanten in der Branche geben ihren Arbeitern neun bis zehn Dollar, ein UAW-Malocher bekommt neunzehn Dollar pro Stunde. Zudem hat GM keinen Zweifel daran gelassen, daß es um rund 50 000 Beschäftigte schrumpfen will. Die Entscheidung von General Motors kam ohne Vorwarnung. Möglich, daß dies das Blut der Autoarbeiter einmal mehr in Wallung bringt.