Dadurch wurde die Hälfte der gescreenten Frauen unnötig weiteren belastenden Untersuchungen ausgesetzt, um den falschen Krebsverdacht wieder auszuräumen.

Viel Angst, Strahlung und zahlreiche Biopsien ließen sich schlicht vermeiden.

Bei qualifizierten Screening-Programmen wie in Schweden ist der Nutzen ungleich größer. Dort sind Folgeuntersuchungen und therapeutische Maßnahmen in Verdachtsfällen mit eingeschlossen, also Ultraschall, Röntgenzielaufnahmen und Feinnadelbiopsie. Die Geräte für die Mammographie werden sorgfältig kontrolliert, alle Aufnahmen jeweils von zwei erfahrenen Ärzten beurteilt.

Dazu müssen sie in Schweden mindestens 8000 Aufnahmen jährlich begutachten.

Die Quote der falsch positiven Ergebnisse liegt in Schweden unter drei Prozent. Allerdings werden lediglich neunzig Prozent der Erkrankungen erkannt, zehn Prozent der Fälle bleiben unentdeckt. Hier müssen die Epidemiologen Nutzen und Kosten abwägen. Dennoch bleibt ein Dilemma bestehen: Manchmal kann es vorkommen, daß eine Frau von einem tastbaren Knoten in ihrer Brust überrascht wird, obwohl sie erst wenige Wochen zuvor eine Mammographie hatte.

Um die Akzeptanz der deutschen Modellversuche sicherzustellen, soll zum Beispiel ein Krebsverdacht künftig nur noch in einem einfühlsamen Gespräch mitgeteilt werden. Und zwar nur dann, wenn die Ärzte den Krebsverdacht auf achtzig Prozent schätzen, basierend auf einer Beurteilung sämtlicher Befunde durch ein Team von Fachleuten. Das Ergebnis soll auch viel schneller als bisher mitgeteilt werden, nämlich nach nur einer Woche. Leider kommt es immer noch vor, daß Frauen mit der Hiobsbotschaft entlassen werden, in einem halben Jahr zwecks Mammographie "mal wieder reinzuschauen" - erst dann lasse sich ein Verdacht definitiv ausräumen. Nach den neuen Standards entfallen solche Horrortrips.

Im Bundesgebiet kämen rund zehn Millionen Frauen für das Screening in Frage.