Brandenburg/Ruhrgebiet

Zweihundert "Blüten" hat sie das opulente Buffet für die Geburtstagsfeier gekostet. In D-Mark hätte Liesel L., die Verwaltungsangestellte, es sich nicht leisten können. Aber im Emscher-Lippe-Tauschring, der sich allwöchentlich im Gelsenkirchener Industrie- und Sozialpfarramt trifft, spielt Geld keine Rolle. Seine Währung sind Blüten, das heißt: Leistung und Gegenleistung, Nehmen und Geben.

Meist wird im Ring getauscht, etwa so: Markus kommt mit Wohngeldanträgen nicht zurecht, Frau Meiner hilft ihm beim Ausfüllen. Frau Meiner wiederum braucht jemanden, der ihre Wohnung tapeziert, das macht Herr Krause. Der seinerseits sucht jemanden, der im Urlaub seine Pflanzen gießt, was Markus übernehmen kann. Liesel L. wird einer blinden Witwe Gesellschaft leisten, die "nette Leute zur Freizeitgestaltung" sucht.

Rund 180 Mitglieder zählt der seit zwei Jahren bestehende Tauschring.

Angebote und Nachfragen werden im monatlich erscheinenden Blütenblatt annonciert. Besonders gefragt sind Malerarbeiten und Reparaturen im Haus.

Aber auch Ausgefallenes wird gehandelt, "individuelle Flirtberatung" oder die Herstellung "modischer Mützen, Material selbst besorgen".

Die Tauschring-Zentrale im Pfarramt liefert die Adressen der Inserenten.