Die Sorge hätten viele gern. Im vergangenen Herbst beklagte sich ein Vorstandsmitglied der Dresdner Bank bitterlich über sein geringes Einkommen.

Er würde gerne einen Baselitz erwerben, ließ der Mann wissen, doch leider könne er sich ein Bild des zeitgenössischen Malers für rund eine Million Mark einfach nicht leisten. Der kunstsinnige, aber mit seinen Jahresbezügen von schätzungsweise 1,5 Millionen Mark unzufriedene Geldverwalter darf aufatmen.

Im Mai genehmigte die Aktionärsversammlung eine neue Gehaltsstruktur für rund 300 Führungskräfte der Dresdner Bank: Bewegt sich der Aktienkurs des Kreditinstituts in den nächsten drei Jahren über dem Branchendurchschnitt, werden die Manager kräftig Kasse machen.

Derartige Vergütungssysteme finden in hiesigen Chefetagen immer mehr Anhänger. Elf der bedeutendsten deutschen Konzerne, darunter Daimler-Benz und Deutsche Bank, die Chemieriesen BASF und Hoechst, die Lufthansa oder der Handelsgigant Metro, haben das Salär ihrer Manager bereits teilweise an die Entwicklung der Börsenkurse gekoppelt. Bei weiteren sieben der dreißig im Deutschen Aktienindex (Dax) versammelten Großunternehmen wird an entsprechenden Plänen gearbeitet. Selbst der konservative Elektrokonzern Siemens will nun der "internationalen Praxis folgen", wie Vorstandschef Heinrich v. Pierer kürzlich verkündete.

Mehr Motivation durch mehr Mammon, lautet das neue Motto. Ziel der Programme sei es, eine "wertorientierte Unternehmensführung" zu verstärken, behauptet Max Dietrich Kley, im BASF-Vorstand für Finanzen zuständig. Die Führungskräfte sollen also dafür sorgen, daß der Aktienkurs ihres Unternehmens und damit der Shareholder value für die Anteilseigner steigt.

Gelingt ihnen dies, werden sie zur Belohnung am Börsengewinn beteiligt. Der Würzburger Ökonomieprofessor Ekkehard Wenger spricht dagegen von "Selbstbedienung" und fragt: "Müssen wir jeden Quatsch, der aus den USA stammt, in Deutschland mitmachen?"

In den Vereinigten Staaten haben solche Vergütungs- und Anreizsysteme eine lange Tradition. Eingeführt wurden sie, weil amerikanische Aktionäre mit den Leistungen ihrer Manager unzufrieden waren. Um sie stärker auf die Interessen der Anteilseigner auszurichten, erhielten die Führungskräfte fortan einen Teil ihres Gehalts in Form von Aktien oder Optionen, die zum Bezug von Aktien berechtigen (Stock Options).