Der Staat spielt gern. Wir auch. Und so trifft man sich, Woche für Woche, auf denselben 49 Feldchen. Ewige Wiederkehr des gleichen, dionysischer Rausch im Deutschen Lottoblock. Volk im Traum, kommenden Samstag wieder: echte 35 Millionen im Jackpot und wir und zwanzig Millionen Mitspieler vor dem Tippzettel, sieben Kreuzchen im Sinn. Vergessen die Pleite von vergangener Woche, wieder nix gewesen mit dem Häuschen im Grünen, der Finca auf Mallorca.

Da meldet sich die Vernunft, leise und gar nicht geheuer: Was wäre, wenn es wieder nichts wäre und eine Woche später noch viel mehr Geld wartete, auf uns von der Tippgemeinschaft Hoffnungslos? Aber ach, der Staat spielt doch nicht so gern. Denn wird der Jackpot bis Ende August nicht geknackt, so haben die Bundesländer beschlossen, dann soll er unter jenen verteilt werden, die sechs Richtige (nur sechs, wahrlich nur sechs) getippt haben. Begründung der neuen Regel: Mehr Geld fürs Volk sei moralisch unverantwortlich und fördere die gefährliche Spielsucht.

Welch gefährlicher Gedanke: Werden bald auch Börsengewinne jenseits der 60 Millionen Mark geteilt, nach dem neuen Schlüssel eines sozialen Kapitalismus?