Servicewüste Deutschland: Daß ausgerechnet Einzelhändler über diesen beklagenswerten Zustand stöhnen, klingt überraschend. Ist es aber nicht. Drei Handelsunternehmen sind nämlich mit dem Wettbewerbsgesetz in Konflikt geraten, weil sie ihren Kunden mehr boten, als hierzulande erlaubt ist.

Der Gütersloher Einkaufsverband für Bettenfachgeschäfte, Ambra, wollte den Kunden seiner 65 angeschlossenen Fachgeschäfte einen besonderen Service bieten: ein fünfjähriges uneingeschränktes Rückgaberecht auf ausgesuchte Matratzen, Rahmen und Bettwaren (Slogan: Wohlfühl-Garantie). Einem Kölner Matratzen-Markt kam so viel Dienst am Kunden in die Quere - und er bekam vor dem Bielefelder Landgericht recht. Diese Garantieleistung kollidiere mit dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) sowie mit der Zugabenverordnung.

Händler haben natürlich keineswegs nur das Wohl der Verbraucher im Auge.

Ihnen geht es ums Geschäft, doch dazu gehört auch die Kundenbindung. So eine langfristige Beziehung zwischen Händler und Kunden läßt sich nur durch hochwertige Produkte und besondere Serviceleistungen herstellen. Auch die Jeans-Kette Werdin, ein Tochterunternehmen der Douglas Holding, möchte mit einer außergewöhnlichen Garantieleistung Kunden locken: Für die Eigenmarke Blue one Jeans räumt die Lübecker Kette in ihren derzeit 64 Filialen eine lebenslange Rücknahmegarantie ein - auch hier zum Ärger von Wettbewerbern.

Der Streitfall endete vorerst vor der Einigungsstelle der Industrie- und Handelskammer - ohne Einigung.

Der amerikanische Spezialversender Land's End, der Mitte 1996 auf den deutschen Markt kam, machte bald ebenfalls Bekanntschaft mit den deutschen Wettbewerbsgesetzen. Das 1963 gegründete Unternehmen, das heute in 175 Ländern vertreten ist und mehr als 1,2 Milliarden Dollar umsetzt, räumt seinen Kunden nämlich für sämtliche Artikel eine uneingeschränkte Garantie ein - jederzeit und ohne Angabe von Gründen. Dabei kann zwischen Umtausch und Erstattung des Kaufpreises gewählt werden. Marketingdirektor Frank Kriegl: "Zu unserer Philosophie gehört, daß wir halten, was wir versprechen." Daran mochte nicht einmal die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs rütteln. Aber sie will zumindest die Werbung für diesen Service untersagen.

Das deutsche Wettbewerbsrecht, so klagt Stefan Freytag, Mitarbeiter am Münchner Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht, habe sich unter dem "Deckmantel des Verbraucherschutzes zum Schutz der Konkurrenten" gewandelt. Tatsächlich ziehen nicht etwa Verbraucherschützer gegen derart umfängliche Garantieleistungen zu Felde, sondern die direkten Konkurrenten, die sich oft hinter Wettbewerbszentralen verbergen. Das UWG, das aus dem Jahre 1909 stammt, die Zugabenverordnung (1932), die zusätzliche Nebenwaren und -dienstleistungen, also auch erweiterte Garantieleistungen verbietet, sowie das Rabattgesetz (1933) stehen deshalb bei den Verbraucherverbänden auf dem Prüfstand.