Wird in Deutschland ein privat gebuchtes Zimmer storniert, ist die Rechtslage eindeutig. Wie in vielen anderen Ländern auch gilt für die Buchung eines Hotelzimmers das Mietrecht. Und die Miete muß bezahlt werden, unabhängig davon, ob die Unterkunft genutzt wird oder nicht. Der Hotelbesitzer darf also vom Gast die Begleichung der Rechnung fordern. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand aus Krankheitsgründen in letzter Minute absagen muß oder bereits mehr als drei Monate vor dem geplanten Anreisetag stornieren läßt.

Der Hotelier ist allerdings dazu verpflichtet, nichtentstandene Kosten, etwa für das Frühstück oder für die Reinigung der Bettwäsche, vom Preis abzuziehen. Deshalb kann er in der Regel nur bis zu achtzig Prozent des Übernachtungspreises in Rechnung stellen. Die Hamburger Verbraucherzentrale rät, bei der Buchung schriftlich ein Rücktrittsrecht zu vereinbaren, sofern im Vertrag keine Regelung festgeschrieben ist.

Viele Hotelbesitzer pochen jedoch nicht auf ihr Recht und entwerfen eigene Bestimmungen. Vor allem große Häuser können es sich leisten, gegenüber ihren Kunden kulant zu sein. Bei den internationalen Hotelgesellschaften ist die kostenlose Stornierung eines Zimmers meist noch am Anreisetag möglich. Bei Hilton zum Beispiel läßt sich eine Buchung bis um 16 Uhr ohne Folgen rückgängig machen. Wer später absagt, muß für die erste Nacht bezahlen.

Ähnlich halten es die Dorint-Gruppe, die Inter-Continental-Hotels und die Steigenberger-Stadthotels. Die Hotelketten behalten sich allerdings vor, diese Regelung an besonders gut gebuchten Tagen, etwa zu Messezeiten, außer Kraft zu setzen.

Die Deutschland Informations- und Reservierungsgesellschaft (DIRG) will nun hierzulande die Stornierungsbedingungen für Hotelzimmer vereinheitlichen. Es könne schließlich nicht angehen, daß jemand für seine Rundreise drei Hotels buche und mit drei verschiedenen Stornoregelungen konfrontiert werde, sagt der Geschäftsführer der DIRG, Hans Eckermann. Allerdings glaubt er nach ersten Diskussionen mit Branchenvertretern nicht an eine schnelle Einigung.

Die Reisebüros seien an einer äußerst kundenfreundlichen Stornierungsregelung interessiert, während die Hoteliers keine Nachteile erleiden wollten, so Eckermann. Er schlägt deshalb einen "Korridor der Stornierungspraxis" vor, der Spielraum für den einzelnen ließe.

Als Vorbild für eine allgemeine, kundenfreundliche Stornierungsregelung gilt Österreich. Dort zahlt der Reisende, der sein Zimmer direkt beim Hotel gebucht hat, keinen Schilling, wenn er bis zu drei Monate im voraus schriftlich storniert. Bis zu einem Monat vor Reisebeginn wird höchstens der Preis für drei Übernachtungen berechnet. Bei kurzfristigen Absagen dürfen die Hotel- und Pensionsbesitzer achtzig Prozent des Zimmerpreises und siebzig Prozent der Verpflegungskosten verlangen. Gastfreundlichere Regelungen stehen den Hoteliers frei.