Daß sich der für die Arzneimittel-Richtlinien zuständige Bundesausschuß, der von Ärzten und Krankenkassen gemeinsam bestritten wird, bei seiner Entscheidung gegen die Potenz-Pille Viagra am schnöden Mammon orientierte, ist ja verständlich. Bei sieben bis acht Millionen potentiellen Potenz-Empfängern wären die Kassen per annum zwanzig Milliarden Mark los. Das aber hielte das potenteste Versicherungssystem nicht aus. Und dennoch: Wäre es nicht viel schöner gewesen, man hätte sich bei der Absage an Viagra jener Argumentation bedient, die unlängst auf einem internationalen Soziologenkongreß feilgeboten wurde? Viagra, meinte man dort allen Ernstes, komme eindeutig zu spät und sei überflüssig. Die Zeiten des Machismo und des Patriarchats seien endgültig vorbei, das Weib längstens emanzipiert. Und der Mann? Der ist natürlich von allem geheilt und Viagra ein Abgesang auf die alte Welt. Warum sollten den die Kassen bezahlen?