"Ein Picknick? Auf unserer Terrasse? Warum bei uns? Warum muß immer ich den Dreck wegmachen? Sollen doch Bergmanns das Picknick in ihrem Garten abhalten. Bei deren mickrigen Rabatten spielt es keine Rolle, wenn die Kinder alles zertrampeln! Du erinnerst dich wohl nicht mehr, wie schwer es beim letzten Mal war, den fettigen Ruß von den Bodenplatten zu entfernen? Von den Rotweinflecken will ich gar nicht reden, die sind heute noch auf dem Pol- ster zu sehen. Ach was, dein Freund Herbert säuft immer so viel, auch wenn er keinen Ärger mit seinem Betriebsrat hat. Und wie willst du verhindern, daß Linda ihre Köter mitbringt? Gott, haben die gejault, als du bei deinem Geburtstag auf dem Saxophon gespielt hast! Jedenfalls wird nicht gegrillt, darauf bestehe ich! Dieser Gestank! Und alles halbroh oder verbrannt.

Am besten arrangiere ich einen Brunch und nenne ihn Picknick. Sowieso will niemand im Liegen essen. Wir stellen den neuen Teakholztisch mit den Bänken unter den Apfelbaum, darauf verschiedene Salate und - nun, mir wird schon was einfallen. Sorg du nur dafür, daß diesmal Bier im Haus ist! Und daß das Eis nicht wieder ausgeht, lauwarm schmeckt auch der beste Champagner nicht. Und könntest du beim Sohn des Biobauern, den ihr in der Firma habt, zwanzig Eier bestellen? Zum Picknick gehören nun mal hartgekochte Eier. Jesses, an was ich alles denken muß! Warum laden wir sie nicht ins Restaurant ein? Das kannst du sogar von der Steuer absetzen, Produktkonferenz oder so was. Aber nein, an mir bleibt wieder alles hängen!"

Beim ersten Gang kann von einem Rezept nicht die Rede sein, denn er besteht aus Salaten in verschiedensten Variationen, Schinken, Würsten, Terrinen. Nein, keine Terrine. Zwar ist eine selbstgemachte Terrine eine Trophäe wie ein selbstgefangener Hecht. Aber auch wenn sie einen oder zwei Tage vorher fertig sein sollte, ist es eine Mordsarbeit. Außerdem ist es schwierig, ihr das richtige Aroma mitzugeben. Dafür braucht man Routine.

Selbstgemacht sollten auf jeden Fall die Salate sein. Wegen der Mayonnaise und was sonst den Salaten ihre Daseinsberechtigung verschafft. Zum Beispiel beim

Heringssalat

Er darf beim Picknick nicht fehlen; denn seinetwegen hat der Hausherr das Bier gekauft. Heringsfilets sind jetzt im Sommer am leckersten. Sie werden nur gewässert, wenn sie extrem salzig sein sollten. Die Heringsfilets in breite Streifen schneiden und danach in Sahne einlegen. Die besteht je zur Hälfte aus dicker Crème fraîche und süßer Sahne, gut verquirlt, gesalzen und gepfeffert. Früher nahm die gute Mutter saure Sahne, aber die ist heute nur dünn und ohne Charakter. Dafür helfen wir mit einigen Tropfen Zitronensaft nach. Daruntergemischt sind sehr kleine Würfel von geschälten sauren Äpfeln und dünne Scheiben von Frühlingszwiebeln - die einzigen, die man mit Anstand roh essen kann. Normale Zwiebeln bringen einen Bitterton an die Sahne und sind schwer verdaulich.

Von dieser Heringssahne gibt es unzählige Variationen. Man kann rote Bete und/oder säuerliche Äpfel in kleine Würfel schneiden und zusammen mit 1 Lorbeerblatt mehrere Stunden in der Sahnemischung ziehen lassen, bevor man die Heringsstücke einlegt.