Es ist ein schmutziges Gesetz des Lebens, daß der Mensch des Menschen Wolf ist, nicht selten gar ein Fleischwolf. Der Tröstungen darob sind viele, aber nicht alle sind gleichermaßen wirksam. So hat der umfassende Einkauf in der gerade eröffneten "Bulgari"-Boutique auf Sylt, wie man in Hamburg hört, nicht allen Kundinnen geholfen, zumal da Pullover- und Friesennerzwetter nur Ohr-Kollektionen zulassen mochte. (Und so ein Ohrläppchen hält nicht viel aus!) Aber auch aus dem öffentlichen Schwimmbad im heißen Kreuzberg sah man Menschen mit leeren Gesichtern kommen, das müde Auge von Chlor vernebelt, die Haare ein Tränen im Wind. Im sonnigen Süden Deutschlands schließlich war das Ozon so nachhaltig am Werke, daß ein abgenutztes Wohnzimmersofa der sicherste Aufenthaltsort für den Menschen war. Dort konnte er sich den größten Trost verschaffen, indem er, in alten Werken der Naturkunde blätternd, erfuhr, daß auch der Wolf des Wolfes Wolf ist und die Tierwelt voll miesester Tücke. Die Spinne läßt die Fliege zappeln, und eine Maus schaut zu! Wer von der Feldmaus spricht, darf von der Fledermaus nicht schweigen, die sich mit wehrlosen Insekten den weißlich-roten, geblähten Bauch vollschlägt. Und erst die Perfidie der Motte, die Ohren im Hinterleib hat und so ihren Angreifer (besagte Fledermaus) oft schneller hört als er sie! Wenn ihr die Flucht mißlingt, sendet sie Laute aus, die ihrem Feind mitteilen: "Ich bin ganz ungenießbar!" oder "Ich bin eine kleine Fledermaus".

Hier endet der Abscheu, beginnt der Neid. "Ich bin eine kleine Fledermaus" ist ein Satz, den man gern glaubhaft sprechen könnte. Eine Aufgabe, an der selbst die größten Schauspieler zu scheitern pflegen! Dabei paßt so vieles: der weißlich-rote geblähte Bauch, das scharfe, kleine Gebiß, die kleinen Ohrläppchen. Aber wir sind nun mal keine Motten.