Die Einwohner von Beaconsfield in der englischen Grafschaft Buckinghamshire sind aufgebracht: Ein Mobilfunkanbieter will einen 25 Meter hohen Sendemast in ihrem Städtchen aufstellen. Dagegen haben die braven Briten zunächst nichts einzuwenden. Was sie jedoch buchstäblich auf die Palme bringt: Damit der Mast die Landschaft nicht verschandelt, ist er als Schottische Kiefer verkleidet - die Antennen verbergen sich in einem immergrünen Kunstbaum mit stählernen Ästen und Nadeln aus Plastik.

Die Bewohner befürchten nun, daß Beaconsfield zum landesweiten Gespött wird. "Wenn ich einen Plastikbaum sehen will, gehe ich nach Legoland", entrüstet sich ein erbitterter Einheimischer, ein anderer bezeichnet den Mast als "monströsen Karbunkel". Nun soll Prinz Charles den Beaconsfieldern helfen, das Projekt zu stoppen.

Und da böten sich nach dem mutigen Vorbild der englischen Telephonfirma noch weitere Projekte an, nicht nur in England: Vielleicht können sich die Gegner der "Verspargelung" unserer Landschaft durch Windkraft-Propeller ja mit Windmühlen-Attrappen im Don-Quichotte-Look anfreunden? Atommeiler in der Form von Termitenhügeln? Hochspannungsleitungen als Lianen, die sich von Baum zu Baum ziehen?

Die dekorative Tarnung technischen Geräts mit künstlichem Blattwerk und anderem Grünzeug ist ja eigentlich eine Domäne der Militärs, die ihr Waffenarsenal vor den Blicken des Feindes schützen wollen. Da läßt ein Satz aufhorchen, den ein Sprecher des englischen Mobilfunkanbieters anläßlich der Debatte um den Sendebaum beiläufig fallenließ: Die Firma betreibe anderswo im Land schon mehrere der Funk-Kiefern. Hat das überhaupt schon jemand bemerkt? Nutzen vielleicht andere Unternehmen längst die Mimikry-Technik? Können wir dem deutschen Wald noch trauen? Sind wir, ohne es zu wissen, schon längst umgeben von High-Tech im Tarnkleid? Argwohn ist geboten, wenn demnächst ein Pferdefuhrwerk unbekannter Herkunft über Land zuckelt - es könnte sich um den nächsten Castor-Transport handeln.