Wer ihn anfaßt, dem bringt er Verdruß. Der Kombilohn hat zunächst die SPD in eine Auseinandersetzung gestürzt. Nun treibt er einen Keil in die Koalition. Die Grundidee ist einfach: Die Einkommen in einem Niedriglohnsektor sollen durch staatliche Hilfen auf ein akzeptables Niveau gebracht werden. Das aber ruft sofort die Linienrichter der deutschen Politik auf den Plan. Niedriglöhne - da malen viele Gewerkschafter soziale Verelendung an die Wand. Staatliche Lohnsubventionen - da sehen Wirtschaftsliberale das ruchlose Tarifkartell wieder Geschäfte zu Lasten Dritter abschließen.

Beide Seiten argumentieren unglaubwürdig. Die Tarifpartner tun so, als hätten sie noch die absolute Regelungshoheit, als gäbe es nicht das Millionenheer derjenigen, die in der Schattenwirtschaft arbeiten. Die andere Seite will Niedriglöhne ohne sozialen Begleitschutz hoffähig machen. Davon kann man zwar in einem Hochpreisland nicht leben, aber das ist nicht ihr Problem.

Dennoch: Schwarzarbeit und Arbeitslosigkeit sind in Deutschland nicht deshalb so verbreitet, weil man in unserem Land zu experimentierfreudig war, sondern weil jeder neue Ansatz seit Jahren zerredet wird. Den Faktor Arbeit durch eine Ökosteuer von Abgaben entlasten? Nein. Die Steuern auf niedrige Einkommen senken? Nein. Das Gestrüpp der Sozialleistungen lichten und durch ein transparentes Bürgergeld ersetzen? Nein.

Der Kombilohn ist kein Allheilmittel. Das CDU-Modell weist viele Mängel auf. Vielleicht ist der Ansatz der SPD besser, die Sozialbeiträge zu subventionieren - darüber kann man diskutieren. Aber bitte nicht mehr in Expertenzirkeln, sondern anhand eines Gesetzentwurfes sofort zu Beginn der nächsten Legislaturperiode. Den Versuch, niedrig bezahlte Tätigkeiten mit einem Kombilohn aus der Schattenwirtschaft in die Welt legaler Arbeit zu schleusen, sollte man nicht mehr mit Fundamentalkritik aufhalten.