Als das Fernsehspiel "Der große Bellheim" mit Mario Adorf in der Hauptrolle die ZDF-Zuschauer begeisterte, jubelten auch die Kritiker. Selten zuvor, so ihr einhelliges Urteil, sei im deutschen Fernsehen ein derart spannender und zugleich lehrreicher Mehrteiler zu sehen gewesen. Lehrreich vor allem deshalb, weil die Serie ein provokantes Schlaglicht auf das Treiben in den Führungsetagen deutscher Unternehmen warf. Auf der einen Seite der Managementnachwuchs: extrem ehrgeizig, raffgierig, rücksichtslos und immer auf den persönlichen Vorteil bedacht. Auf der anderen Seite ein Team von Führungspersönlichkeiten aus altem Schrot und Korn: eigentlich längst im Ruhestand, übernehmen vier charismatische, erfahrene Haudegen das Ruder im traditionsreichen Warenhauskonzern Bellheim und retten das schwer angeschlagene Unternehmen doch noch vor der drohenden Pleite.

Die Autoren Peter Schmidt und Manfred Schumacher haben die Idee aufgegriffen und brechen in ihrem Buch "Das Bellheim-Modell" eine Lanze für einen Managertyp, der fast ausgestorben scheint: integer, glaubwürdig, dem Ganzen verpflichtet. Es sind Führungskräfte, die gerade nicht den kurzfristigen Profit im Visier haben, sondern sich beharrlich und verantwortungsbewußt für die Firma und ihre Mitarbeiter einsetzen.

Beeindruckend ist in dem Buch die Vielzahl der Beispiele, die zeigen, wie gestandene Unternehmerpersönlichkeiten vom Schlage eines Heinz Nixdorf, eines Merck oder eines Carl Zeiss den Grundstein für große Konzerne legten und dabei verantwortungsvoll und weitsichtig handelten. Bemerkenswert ist auch das flammende Plädoyer der Autoren für eine Gesellschaft, die durch Leitsätze wie Gemeinsinn, Verantwortlichkeit und Fürsorglichkeit wieder verbindliche soziale Wertmaßstäbe schafft.

Was Peter Schmidt und Manfred Schumacher freilich verschweigen: Auch die Bellheims kochen nur mit Wasser. Und manch altgedienter, vielbewunderter und charismatischer Unternehmensführer wurde letztlich am Ende seiner Laufbahn erbarmungslos entzaubert. Wie der unglückliche Edzard Reuter etwa. Erst wurde der Daimler-Chef als großer Stratege mit Vision hochgelobt, dann, als die zugekauften Unternehmen den Stammkonzern in arge Nöte brachten, hatten es alle früheren Freunde plötzlich eilig, ins Lager der Kritiker und zu seinem anders gestrickten Nachfolger Jürgen Schrempp überzulaufen. Oder war Reuter womöglich einfach kein echter Bellheim?