Gestatten Sie mir die Frage, wie weit die ZEIT noch ihre verächtliche Bismarck-Häme zu treiben gedenkt? Nach Klaus Harpprecht, der ihm völliges Scheitern (nach dem Tode!) bescheinigte, nun Volker Ullrich, der anregt, dem Bismarck-Attentäter Cohen-Blind ein Denkmal zu setzen. Noch hundert Jahre nach dem Tode Bismarcks gilt, was Fontane, der ein kritisches Verhältnis zu ihm hatte, dennoch empört über solche Art von Journalismus schrieb: "Es ist geradezu widerlich. Nun werden sie wohl alle aus ihren Sümpfen und Höhlen herauskriechen, ihm Mätzchen machen und ihn ausätschen."

Prof. Dr. Hans Schumann Stuttgart

Endlich! Niemand muß (oder sollte) einen politischen Tötungsanschlag gutheißen, aber es tut wohl, zu lesen, daß der eiserne Kanzler eben nicht allenthalben beliebt war. Und wahrlich: Was wäre uns möglicherweise erspart geblieben, wäre diese unselige kleindeutsche Lösung nicht mit Gewalt durchgesetzt worden. In diesem Sinne bin ich herzlich gern dabei, den Patrioten Ferdinand Cohen-Blind zu ehren, ein mehr als nötiges Tun angesichts der gerade wieder erfolgten Heiligsprechung des "Fürsten", insbesondere durch seine Stiftung.

Rainer Zimmer-Winkel, Berlin

Daß Bismarck das Attentat überlebte, dürfte nicht so sehr mit seiner dicken Kleidung als vielmehr mit der abgebildeten Waffe zusammenhängen. Es handelt sich um einen sogenannten Bündelrevolver ("Pfefferstreuer"), der seine Kugeln gleich aus der Trommel verschoß und für äußerst schwache Schußleistung bekannt war.

Dieter Kuhaupt, Düsseldorf

Der Artikel über das Attentat auf Bismarck ist bei mir auf großes Interesse gestoßen (ich bin 19 Jahre alt und habe mich im Abitur mit der preußischen Geschichte auseinandergesetzt). Ullrichs Schlußfolgerung jedoch, dem Attentäter ein Denkmal zu setzen, kann nicht unwidersprochen bleiben: Auch wenn Bismarck aus heutiger Sicht kein Demokrat war, verdanken ihm die Deutschen einige große Errungenschaften, unter denen die zwar gewaltsam herbeigeführte deutsche Einheit die hervorstechende ist (von der Sozialgesetzgebung ganz zu schweigen!). Was genau hätte sich denn nach einem gelungenen Attentat geändert? Geschichte hängt doch nicht nur von Personen ab!