Der Brandberg sperrt sich gegen seine Besucher. Wenn Marie-Theres Erz und Tilman Lenssen-Erz das schroffe Gebirge am Rande der namibischen Wüste besteigen, sind sie wie für ein Überlebenstraining gerüstet. Alles Nötige für die mehrwöchige Expedition und die kühlen Nächte unter freiem Himmel tragen die Kölner Forscher auf dem Rücken. Die raren Wasserstellen spüren ihre beiden afrikanischen Assistenten auf. Doch oft reicht die Flüssigkeit aus den Tümpeln gerade aus, um den Durst zu löschen. Staub und Schweiß kleben meist tagelang am Körper.

Dafür lockt eine Reise in eine andere Zeit. Das rund 2500 Meter hohe, runde Granitmassiv mit einem Durchmesser von etwa 25 Kilometern ist voller Bilder.

Jäger und Sammler haben sie vor etwa 2000 bis 4000 Jahren hier auf die Felswände gemalt, in warmen, mittlerweile etwas verwitterten Farben. Vor zwei Jahrtausenden endete im südlichen Afrika die Steinzeit, als sich technische und wirtschaftliche Neuerungen wie Kleintierhaltung oder Eisenverarbeitung durchsetzten.

Mit rund tausend Fundstellen ist der Berg eines der reichsten Felskunstgebiete der Welt. Die Malereien haben die Jahrtausende nahezu unversehrt überstanden, denn der Brandberg ist ein menschenleeres Gebiet.

Selbst die urzeitlichen Künstler zogen sich wahrscheinlich nur in Notzeiten dorthin zurück, wenn sie nirgendwo sonst mehr Wasser finden konnten.

Ein Glücksfall ist auch, daß die Bilder und ihre Fundorte fast vollständig dokumentiert sind. Acht Jahre seines Lebens hat der in Österreich geborene Graphiker Harald Pager wie ein Eremit auf dem Brandberg verbracht, um Bild für Bild mit Bleistift auf durchsichtige Folien zu übertragen. Selbst die verschiedenen Tönungen notierte er peinlich genau anhand einer Farbskala.

Pager arbeitete im Auftrag des Heinrich-Barth-Instituts an der Universität Köln, doch sein Engagement ging weit über die Wissenschaft hinaus. "Ich werde zum größten Teil in Sonnenauf- und -untergängen bezahlt", gestand er einem Filmteam wenige Monate vor seinem Tod. Die Dokumentation der Felsbilder betrachtete er als sein Lebenswerk. Seine einzige Angst: "Die Zeit läuft mir davon."