Ohne die vielen Kameras hätte man sich wie auf einer Familienfeier gefühlt.

Zur Trauerzeremonie für den jüdisch-wolgadeutschen Komponisten Alfred Schnittke fand sich die russische Elite im Moskauer Konservatorium ein.

Unauffällig defilierten sie am offenen Sarg des großen Meisters vorbei: die Kulturministerin, der Präsidentenberater, der Ministerpräsident. Gidon Kremer, Natalija Gutman, Mstislaw Rostropowitsch spielten Kammermusik von Schnittke, derweil die Dirigenten Kurt Masur und Gennadij Roshdestwenskij im Parkett lauschten. Alle blickten auf, da Finanzmagnat Boris Beresowskij in schwarzem Anzug und roter Krawatte den Saal betrat. Hinter ihm trugen zwei Lakaien ein meterlanges Blumengebinde aus roten Rosen und legten es am Sarg ab. Beresowskij spürte die Blicke und trat den Rückzug in die letzte Reihe an. Dann gedachte man wieder Schnittkes.