Wer weiß, ob es am 27. September zum Abschied kommt. Aber ein Präludium gibt es schon. Zu hören auf einer CD, die das Kabarettprogramm von Stefan Wald, dem Parodisten aus Bingen, vorstellt. Der Titel: Nanga Parbat. So hieß einmal der "deutsche Schicksalsberg". Wald hat dem Kanzler ein kabarettistisches "Staatsbegräbnis" bereitet, um das man ihn aus journalistischer Sicht nur beneiden kann.

Achtung, letzter Aufruf für die Trauergäste, so beginnt das bei ihm, es startet gleich eine Transall, an Bord Alfred Biolek und Helmut Schmidt, Rudi Carell und Johannes Rau, Inge Meysel und Rudolf Scharping, Roberto Blanco, Norbert Blüm, Regine Hildebrandt. Alle sind anders, aber alle haben die Stimme von Stefan Wald: Erst stirbt der Wald, dann der Mensch, das fand ich noch einigermaßen plausibel. Aber Kohl? Ja, kann denn Schloß Neuschwanstein sterben? Oder die Zugspitze?

Trauergast Wald entdeckt im Rückblick, was man nachfühlen kann, daß in all den Jahren doch so etwas wie ein inneres Band zwischen ihm und mir, zwischen Künstler und Kanzler, entstanden ist. Alle wollen sich, nach dem Abschied von Kohl, vor dem Untergang retten. Nur Rita Süssmuth zögert, die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch zu nehmen. Sie fliegen dorthin, wo sie ganz unter sich sind, fern von Volk und Welt, zum Nanga Parbat eben.

Inge Meysel plaudert. Und sie verwechselt alles. Stoltenberg hält sie für Herzog. Und Scharping hält sie entgegen: Kann verstehen, daß sie sich von Ihnen getrennt hat, Ihre Hillu.

Helmut Schmidt klagt über das Absinken der Qualität der politischen Klasse, während er noch Deutschland in Ordnung bringen wollte. Gelegentlich verrät sich der Moralist im Kabarettisten, aber irgendwie geht das im bundesrepublikanischen Flugzeug auch wieder unter.

Der Kanzler taucht übrigens auch wieder auf. Von Abschied keine Spur. Er hat sich schon vorher abgesetzt, jetzt ist er Abt in einem Himalaya-Kloster. Und jetzt treffen der Künstler und der Kanzler persönlich aufeinander. Wald: Sie sind Abt? Kohl: Entschuldigung, das ist doch ein völlig normaler Vorgang. Und dann erzählt er etwas vom Nanga Parbat, den sein Freund erobert hat, während er ins Kanzleramt strebte, vom Schicksalsberg, der unverrückbar sei wie er.

Bis Kohl und Wald sich versöhnen, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.