Wenn ein Rundumschlag von "der Bilderflut der Werbung" über die "grenzenlose Vermarktung der Kinder" bis zu deren Streßsymptomen als neue kleine "Erwachsene" gemacht wird, hinterläßt das den Eindruck von Hilflosigkeit und ein Durcheinander gegenüber einer Tat, die bei den Opfern "Seelenmord" auslöst, einer Tat, bei der die Generationsgrenze und das Inzesttabu überschritten werden, einer Tat, die nicht durch einen allgemeinen Rundumschlag in ihren Dimensionen verwässert werden sollte. Diesen "Seelenmord" an den Kindern gilt es strafrechtlich zu verfolgen und die bebilderte Veröffentlichung der Taten - auch im Internet - zu unterbinden.

Die Kinder, die sexuellen Mißbrauch erlitten haben, haben nichts zu tun mit denen, die zwei und drei Stunden für einen Werbespot posiert haben. Das wird der Dimension von "Seelenmord" an Kleinkindern überhaupt nicht gerecht, ja weigert sich eigentlich, das Ausmaß der körperlichen und seelischen Zerstörung anzuerkennen.

Roland Apsel Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten Frankfurt/Main

Gut zwanzig Jahre ist es nun her, seitdem Feministinnen erstmals darauf hinwiesen, daß die soziale Problematik der Pornographie nicht in ihrer wie auch immer verstandenen "Unsittlichkeit" liegt, sondern in der Frauenverachtung, die sie propagiert. In diesen finsteren Zeiten, in denen eine Schreckensmeldung von der Kinderpornofront nach der anderen die Öffentlichkeit schockiert, sollten wir uns an diese simple Tatsache erinnern: Wie uns schon die Etymologie lehrt, stellt Pornographie nicht Sexualität, geschweige denn Liebe, sondern Prostitution dar, mithin den Kauf/Verkauf der Sexualität eines Menschen - meistens einer Frau, in den grausamsten Fällen eines Kindes - zur Gratifikation dessen, was ein anderer Mensch für seine eigene S exualität hält. Pornographie ist Pornographie ist Pornographie und fängt nicht bei Dutroux oder in Zandvoort an, sondern bei der Nullachtfünfzehn-Massenware, mit der mittlerweile jeder Privatsender uns nachtein, nachtaus berieselt und unsere Toleranz für Gewalt und Erniedrigung schleichend steigert.

Pierre-André Wagner, Bern

Zwischen organisiertem Verbrechen und alltäglicher Werbung liegen Welten.

Kinderpornos via Internet, E-Mail und chat-rooms, so verabscheuungswürdig das alles auch ist, machen doch wohl - Gott sei Dank - prozentual immer noch einen sehr geringen Anteil der Sexualdelikte an Kindern aus. Der Hauptanteil geschieht immer noch oder vielleicht immer mehr im familiären Nahraum und beginnt nicht erst im Überschreiten sexueller Grenzen. Vielmehr führt ein langer Weg in den Mißbrauch, "soft" und fast unbemerkt, wie in der Werbung, denn Kinder sind wehrlos aus Unwissenheit und Abhängigkeit.