Was die Automobilriesen können, schaffen Tankstellenbesitzer allemal. In dieser Woche hat das globale Fusionsfieber die Ölbranche erwischt: British Petroleum (BP) schluckt seinen kleineren US-Rivalen Amoco, und der Kaufpreis liegt um einiges höher als bei der Jahrhundertfusion zwischen Chrysler und Daimler-Benz. Wenn die Aktionäre und Regulierer zustimmen, entsteht der weltweit drittgrößte Ölmulti, nach Exxon und Royal Dutch Shell.

Zusammengezählt fördern die zwei Partner täglich drei Millionen Barrel Öl in aller Welt und betreiben gut 27 000 Tankstellen. Sie beschäftigen fast 100 000 Menschen und machten zuletzt 108 Milliarden Dollar Umsatz.

Wie meist bei einem Ausbruch des Fusionsfiebers jubelten die Finanzmärkte: Die beratenden Banker stecken Millionenschecks ein, die dümpelnde Londoner Börse erlebte doch noch einen kleinen Lichtblick. Doch in der Branche selber ist die Stimmung nicht gerade munter. Die Fusion ruft die unsicheren Zukunftsaussichten des Industriezweigs in Erinnerung.

Ölquellen sind nämlich derzeit alles andere als Goldgruben. Sowohl Amoco wie BP mußten ihren Aktionären zuletzt von heftigen Gewinneinbrüchen berichten.

Zu einem Großteil waren die Ursachen kurzfristig, die Verluste ließen sich mit dem dümpelnden Ölpreis erklären: Er liegt etwa auf dem Niveau vor der ersten Ölkrise im Jahr 1973.

Doch es gibt grundlegendere Probleme. Die Ölmultis liefern sich seit Jahren einen halsbrecherischen Kostenkampf. Den Wettbewerb gewinnt zur Zeit, wer auf dem langen Weg von der Exploration und Förderung bis zum Raffinieren und Verkauf von Ölprodukten die geringsten Kosten anhäuft. BP gilt bereits als recht effizient, verfolgt aber gemeinsam mit Amoco nun noch ehrgeizigere Ziele: Die Fusion soll bis zum Jahr 2000 zwei Milliarden Dollar jährlich herauspressen - durch Personalabbau, das Zusammenstreichen überlappender Geschäftsbereiche und mehr Druck auf Lieferanten.

Doch auch das erklärt noch nicht alles. Die Ölmultis müssen sich auch Neues für das Marketing einfallen lassen. Der europäische Markt stagniert - wer Marktanteile gewinnen will, muß besonders aggressiv kämpfen. Der BP-Amoco-Zusammenschluß verschafft nun für Amoco Absatzkanäle in Europa und für BP in den USA. Gemeinsam haben die Partner auch mehr Mittel, um neue Märkte zu erschließen - vor allem in Asien. Dort positionieren sich die Ölkonzerne schon für die Zeit nach der Krise.