Man muß nicht Mathematiker sein, wohl aber sollte der Leser über etwas mehr mathematisches Wissen verfügen, als ihm - von rühmlichen Ausnahmen abgesehen - das deutsche Gymnasium vermittelt hat. Noch eine Einschränkung: Obwohl die beiden Autoren Deutsche sind, haben sie ihr Buch im Latein unserer Zeit, in englischer Sprache, geschrieben

hier allerdings reicht das Schulwissen vollauf.

Wer beide Voraussetzungen erfüllt, den erwartet ein köstlicher Genuß bei der Lektüre von "Proofs from THE BOOK", herausgegeben von den beiden Mathematikprofessoren Martin Aigner und Günter M. Ziegler.

Die "Beweise aus DEM BUCH" beziehen sich auf eine Metapher, die einer der größten Mathematiker unseres Jahrhunderts, Paul Erd's, gern zitierte

es sind Beweise, die Mathematiker als besonders "elegant" empfinden. Was einem mathematischen Beweis dieses Prädikat verleiht, läßt sich mit der gelungenen Pointe eines Witzes vergleichen. Tatsächlich lösen in Mathematikvorlesungen besonders geistreiche Schlußfolgerungen, die zum Quod erat demonstrandum führen, bei den Studenten häufig wohlwollendes Gelächter aus.

Erd's stellte sich vor, daß außergewöhnlich pfiffige Beweise in einem quasi göttlich verwalteten Buch für die Ewigkeit niedergeschrieben sind, eben in dem BUCH.

Martin Aigner - einer der Organisatoren des kommende Woche beginnenden Mathematik-Weltkongresses in Berlin - und Günter Ziegler referieren sympathisch einige dieser gottgefälligen Geistesblitze. Dem Leser wird zunächst das Problem nahegebracht in seiner mathematischen Bedeutung, doch darüber hinaus auch im historischen Kontext. Danach erklären die Autoren in großen Zügen die Strategie, mit der der Beweiser seine Aufgabe in Angriff genommen hat. Dann erst wird's mathematisch: Der Beweis wird vorgeführt.