Es geschieht im Sommer 1884. Das Leben des alten Mannes, des "Eremiten aus Turin", wie ihn die Nation pietätvoll nennt, scheint zu Ende zu gehen. Er ißt kaum noch, seine tägliche Nahrung besteht aus einem Glas Milch, er verzichtet auf seine Spaziergänge, auch seine Sehkraft hat sehr nachgelassen.

Er ist bereits verwitwet, hat unlängst seine angebetete Tochter verloren, die beiden Söhne sind längst in die Welt gezogen, und nur seine Schwester Vilma kümmert sich um den greisen Lajos Kossuth.

Mitten in diesem langsamen Abschied vom Leben erscheint am letzten Verbannungsort Kossuths plötzlich ein junges Mädchen, die Nichte des Exilungarn József Zeyk, seines Zeichens Ehrenkonsul der USA in Turin.

Zwischen Sarolta Zeyk und dem alten Manne, der von vielen Landsleuten immer noch als der "Reichsverweser" betrachtet wird, entfaltet sich eine Korrespondenz. Der jäh in einer letzten Leidenschaft entflammte Alte blüht auf und beichtet in seinen Briefen an die junge Frau seine Gefühle und Gedanken.

Gleichzeitig warnt er die Angebetete vor den möglichen Folgen ihrer Korrespondenz. "Wer heute in Ungarn Karriere machen will, der muß mich meiden wie der Teufel den Thymian. Als hätten sie immer noch Angst vor mir. Nicht etwa, daß meine alten Knochen so gefährlich wären. Aber das ungarische Volk denkt immer noch voller Hingabe an mich, und sie fürchten, daß diese Opferbereitschaft eines Tages jene Idee, die mit meinem Namen verbunden ist, aus dem Grabe der Vergangenheit heraufbeschwören würde." Jene Idee, mit seinem Namen verbunden - das war die Idee der Freiheit. Er weist darauf hin, daß seine Post von der k. u. k Geheimpolizei geöffnet und er selbst immer noch steckbrieflich gesucht würde.

Tatsächlich jedoch geschieht nichts dergleichen. Der Erzfeind von einst, Kaiser Franz Joseph, schläft ruhig in der Wiener Burg, im Schloß von Schönbrunn oder, von Zeit zu Zeit, in seiner ungarischen Residenz Gödöllö.

Durch die große Versöhnung vom Sommer 1867 ist Ungarn zum stabilsten Element der Doppelmonarchie geworden, und niemand denkt dort an die Wiederholung des revolutionären Jahres 1848. Das alles ist Geschichte, und der Held von einst wird zwar in der freien Presse des Landes noch wie ein Halbgott gefeiert, doch wie ein sehr ferner, der Gegenwart längst entrückter.