Potsdam könnte die schöne, ruhige Hauptstadt eines dünnbesiedelten Bundeslandes sein: historische Stadtviertel, Seen und Schlösser - ein architektonisches Juwel. Aber Potsdam kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Noch immer droht die Abstrafung durch die Unesco, die das Weltkulturerbe durch bombastische Bauprojekte bedroht sieht.

Oberbürgermeister Horst Gramlich wurde im Mai abgewählt. Baustadtrat Kaminski ist gefeuert. Bürgermeisterin Beate Hoffmann wanderte resigniert ab. Und der Skandal um das Potsdam Center, einen riesigen, häßlichen Gebäuderiegel, bringt die Volksseele zum Kochen.

Die alte Preußenresidenz weiß mit ihrem kulturellen Erbe wenig anzufangen.

Denn es ist das Erbe einer Geschichte, zu der nur wenige Potsdamer eine innere Beziehung haben. Baudenkmale und Ensembleschutz werden von Investoren und Bürokraten oft als Hemmschuh der wirtschaftlichen Entwicklung gesehen.

Dabei liegt die Chance Potsdams gerade in der denkmalgerechten Sanierung der von Krieg und Sozialismus gebeutelten Stadt.

Die Mahner - Denkmalschützer, Schlösserverwalter, Bürgerrechtler - werden als unbequem, wenn nicht gar als querulantisch empfunden. Um so größer ist der Einfluß der Baulöwen, die Potsdams Geschichte als Garnierung für ihre Projekte nutzen und neben denen die Stadtväter wie Papiertiger aussehen. Die Investoren drängen in die Stadt, aber sie meinen nicht Potsdam, sondern sie bauen auf die angrenzende Metropole. Sie errichten aufwendige Stadtvillen, Bürokomplexe und überdimensionierte Einkaufszentren, deren Rentabilität zumindest fragwürdig ist.

Das Stadtparlament ließ sich an der Nase herumführen