Der Deal polarisiert auch die großen alten Manager der Autobranche. "Eine Notwendigkeit zur Fusion von Chrysler und Daimler bestand weder für die noch für uns - und es hätte sie auch in fünf Jahren nicht gegeben", meint Robert Lutz, der das Fast-Pleiteunternehmen Chrysler mitsanierte, es somit zum bestverdienenden Autoproduzenten der USA machte und seit Juli den Ruhestand genießt. Auch Daimler hätte "alleine weiterwachsen können", sagt Lutz. Aber: "Die Fusion kommt, sie ist keine Zwangs- oder Mußehe, sondern der Idealfall."

Daimler und Chrysler können "statt jeder für sich stark nun zusammen superstark sein", meint der frisch pensionierte Spitzenmann mit Erfahrung bei Opel, BMW und Ford.

Dieselbe Sache ganz anders sieht Eberhard von Kuenheim, der BMW als ernsthaften Konkurrenten neben Daimler-Benz in der Luxusklasse etablierte und noch als Chef des Aufsichtsrats die gutgehenden Geschäfte überwacht: "In großer Höhe fliegt der Adler am besten allein."

Nach der Übernahme des verlustreichen britischen Herstellers Rover, der vermutlich im Jahre 2000 schwarze Zahlen schreiben wird, hält von Kuenheim den Münchner Konzern mit rund 1,2 Millionen Autos jährlich für groß genug - auch um bei Zulieferern die günstigsten Einkaufskonditionen auszuhandeln.

"Wir liegen in der Degressionskurve so weit unten, daß eine zusätzliche Million Schrauben vielleicht 0,1 Prozent Preisvorteile bringt", argumentiert der BMW-Aufseher gegen den Daimler-Chrysler-Deal.

Doch gerade im Einkauf erhoffen sich die Manager von Daimler-Benz und Chrysler die größten finanziellen Vorzüge der geplanten Megafusion. Durch gemeinsame Order sollen bereits im kommenden Jahr 900 Millionen Mark eingespart werden und ab dem Jahr 2001 sogar erstaunliche 2,7 Milliarden Mark - diese Zahlen jedenfalls stehen im offiziellen Verschmelzungsbericht, den Daimler am vergangenen Wochenende veröffentlicht hat.

Der mehr als 500 Seiten starke Wälzer setzt nicht nur die hochkomplizierten juristischen Details auseinander. Er soll die Aktionäre auch bewegen, auf den beiden außerordentlichen Hauptversammlungen am 18. September diesseits und jenseits des Atlantiks grünes Licht für eine der größten industriellen Fusionen aller Zeiten zu geben.