Im September 1943 ging in der Berliner Zentrale der Dresdner Bank ein freundlich gemeintes Schreiben ein. In Kundenkreisen, schrieb der Absender aus der Filiale des Unternehmens in Krefeld, kursiere ein "netter Vers": "Wer marschiert hinter dem ersten Tank? Das ist Dr. Rasche von der Dresdner Bank."

Karl Rasche, Vorstandssprecher des Geldinstituts und Obersturmbannführer der SS, mußte sich geschmeichelt fühlen. Sein Ruf als untadliger Nazi regte die Kundschaft zum Dichten an.

Neben Rasche gehörten noch zwei andere Führungsmitglieder des zweitgrößten Geldinstituts im Deutschen Reich dem Totenkopforden als Ehrenmitglieder an.

Sie saßen mit weiteren Bankgrößen im "Freundeskreis Reichsführer-SS" - einem erlauchten Zirkel nationalsozialistischer Unternehmer, die die Truppe Heinrich Himmlers mit Spenden unterstützten.

Von der besonderen Nähe der Dresdner Bank zur braunen Staatsmacht wissen Fachhistoriker schon lange. Im Omgus-Bericht der amerikanischen Militärregierung über die Macht der Banken im "Dritten Reich" wurde bereits 1947 von "engsten Verbindungen mit dem Naziregime, der SS und der Nazipartei" berichtet. So verwundert es nicht, daß neben der Deutschen Bank auch die Dresdner am Geschäft mit dem Opfergold beteiligt war. Zur Zeit untersucht das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden, wieviel Gold aus den Konzentrationslagern über die Dresdner Bank ins Ausland gelangte.

Institutsdirektor Klaus-Dietmar Henke schätzt, daß das Geldinstitut zwischen 450 und 750 Kilo Gold, das ermordeten Juden geraubt worden war, in der Türkei verkauft hat.

Wirtschaftlich fiel der Goldverkauf im Ausland für die Bank kaum ins Gewicht.