Neulich hatte ich jemanden zum Mittag eingeladen - einen kundigen Hamburger. "Wo wollen wir denn essen?" fragte ich. Seine Antwort: "Gehen wir doch in die neue Passage unter dem Rathausmarkt." - "Unter dem Rathausmarkt, da ist doch nur der dreckige Eingang der S-Bahn." - "Na, Sie werden ja sehen."

Was ich dann sah, hätte ich wirklich nie für möglich gehalten: Der verkommene Tunnel hatte sich verwandelt in einen blitzsauberen, erweiterten, hellen Raum, der erste Eindruck: Licht, viel Licht

ein Restaurant, wo man in der Tat vorzüglich ißt, ferner allerlei ungewöhnlich nützliche Läden

ein Informationsbüro, wo ein Tourist alle Informationen über Hamburg erfahren und ein Einheimischer sich über die kulturellen Darbietungen informieren kann

es gibt einen Laden, wo man ein Fahrrad für den Tag mieten kann und einen Secondhandshop. Der langgestreckte Raum wird flankiert von einem Bücherbord - ich schätze, es ist dreißig Meter lang. 60 000 Bücher sind dafür gespendet worden: Romane, Krimis und auch klassische Literatur.

Der Erlös aus dem Buchverkauf beträgt im Durchschnitt täglich tausend Mark.

Alles Geld, das durch die verschiedenen Aktivitäten einkommt, geht an Obdachlose und Langzeitarbeitslose - aber nicht über irgendwelche anonymen Kassen, sondern in eigens ausgesuchte Projekte, die dann auch individuell und systematisch betreut werden.