Dresden

Bewegungslose Zeiten, Stillstand, Blockade. Nicht nur im verkrusteten Westen, das sei einmal gesagt. Auch im reformfreudigen Osten sitzen sie, die Bremser, die sich dem Bewegungsdrang der Bürger entgegenstemmen. So nicht! murmeln Amtspersonen kopfschüttelnd und halten ihren Untertanen eine Verordnung unter die Nase, die es zu beachten gelte. Wer aufmuckt, wird darüber aufgeklärt, woher diese Gesetze kommen. Aus dem Westen! Vereinigungsbedingt sozusagen.

Man könne also leider gar nichts machen.

Es geht ums Rollschuhlaufen. Einmal pro Woche tritt die Dresdner Inline-Szene zum "Nachtskaten" an. Jeden Freitag wird in der Innenstadt ein Straßenzug gesperrt und mutiert für ein paar Stunden zur gigantischen Rollschuhbahn. Bei der Premiere im Mai wurden die Veranstalter, der Verein Dresden Skaters e.V., vom Erfolg geradezu überrollt. 4000 Läufer sollen sich zeitweise getummelt haben

aus Sicherheitsgründen setzte die Polizei dem Happening ein vorzeitiges Ende. Ein Film übers Skaten in Paris gab offenbar den Anstoß zur Skater-Initiative. Seither sieht sich Dresden in einer Reihe mit Frankreichs Kapitale und San Francisco. Und eine hiesige Szenezeitschrift hat die Stadt an der Elbe schon zum Mekka der Inline-Fans ausgerufen.

So viel Bewegung, wie gesagt, ist den Dresdner Stadtvätern suspekt. Es hagelte Auflagen, mit denen die rasenden Horden - knapp tausend Skater pro Woche - in geordnete Bahnen gelenkt werden sollten. "Völlig übertrieben" sei etwa die Forderung, entlang der Straßenbahngleise große Bauzäune aufzustellen, beklagte sich Vereinsfunktionär Reinhard Jurisch auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz. Ein paar Ordner genügten oder ein "grünes Krad von der Polizei", die sich im übrigen viel kooperativer gezeigt habe als das Rathaus. Selbiges verweist auf einschlägige Vorschriften (Haftungsfragen!

Verkehrssicherungspflicht!), signalisierte aber Kompromißbereitschaft: auf Genehmigungs- und Sondernutzungsgebühren soll verzichtet werden.