die zeit: Herr Niebaum, der Streit um die geplante Fußball-Europaliga der Superklubs spitzt sich zu. Ihre Borussia ist, zusammen mit Bayern München, als deutscher Teilnehmer vorgesehen. Ihre Präsidenten-Kollegen werfen Ihnen vor, daß Sie ohnehin schon Liga-Krösus sind und den Hals nicht vollkriegen.

Gerd Niebaum: Da ist auch viel Pharisäertum dabei. Der Liga-Ausschußvorsitzende, Herr Mayer-Vorfelder vom VfB Stuttgart, wäre sofort zu dem Treffen nach London gefahren, zu dem Bayern München und wir eingeladen worden sind. Dasselbe gilt für Herrn Böhmert von Werder Bremen, der die Europaliga als "Zirkusnummer" bezeichnet.

zeit: Worum geht es Ihnen, wenn nicht um noch mehr Geld?

Niebaum: Natürlich könnten die eingeladenen, für eine Europaliga "gesetzten" Klubs in finanzielle Dimensionen vordringen, die alle Schranken brechen. Ich will hier die im Raume stehenden Beträge nicht nennen - aber ich sage: Selbst als Sieger der bisherigen Champions League bekommen sie nur einen Bruchteil von dem, was die Initiatoren der Europaliga in Aussicht stellen. Es wäre töricht, wenn wir uns als deutsche Vertreter nicht zumindest informiert hätten. Stellen Sie sich vor, die Europaliga kommt zustande, mit den italienischen, englischen, spanischen Klubs - aber ohne deutsche Beteiligung.

zeit: Noch einmal die Frage: Was bietet Ihnen die Europaliga außer noch mehr Geld?

Niebaum: In der Diskussion, die wir derzeit führen, wird der europäische Verband, die Uefa, stets so betrachtet, als lebe er nach dem Prinzip der Keuschheit, während die finsteren Seiteneinsteiger nun die totale Kommerzialisierung wollten.

zeit: Im Kern stimmt das aber doch.